Dabei gehe es nicht ums Können, sondern um die Selbsteinschätzung junger Fahrer: Gasfuß und Ablenkung durch Beifahrer sind die größten Gefahren. Das spiegelt sich in den Zahlen wider: 60 Prozent der Unfälle von Junglenkern sind "Alleinunfälle" – sie rutschen und schleudern vom Asphalt. Aber: Wer die "wilden Jahre" übersteht, hat gute Chancen, auf der Straße alt zu werden.
"Krone": Die Fahrlehrer sagen, dass das L- 17- Modell ein Erfolg ist. Sie sind da skeptischer. Gibt's Belege dafür?
Dr. Peter Jonas: Rein bei den Unfällen mit Personenschäden, die im Unfallregister stehen, gibt es einen Rückgang. Rechnet man alle, auch die kleinen Sachschäden, die gar nicht angezeigt werden, schaut es schon wieder anders aus.
"Krone": Warum ist es Ihrer Meinung so entscheidend, ob mit 17 oder mit 18 der Führerschein gemacht wird?
Jonas: Gerade in diesem Alter zählt bei den Jugendlichen jedes Jahr. Es geht um die persönliche Reife. Mit 25 oder 26 ist das nicht mehr so gravierend. Aber ob du 17 oder 18 bist, das ist ein gewaltiger Unterschied.
"Krone": Die Jungen sollen ja sowieso das höchste Risiko tragen.
Jonas: Etwa 30 Prozent der Unfälle passieren im Alter von 17 bis 23. Alle Statistiken zeigen eindeutig, dass sich ab dem 25. Geburtstag die Unfallwahrscheinlichkeit auf ein Niveau einpendelt, das dann bis etwa 70 gleich bleibt. Mit 30 ist es übrigens am geringsten.
"Krone": Und im Alter?
Jonas: Dann steigt das Risiko wieder. Da ist es dann nicht die Risikobereitschaft der Jungen, sondern die psychische und physische Leistungsfähigkeit geht zurück. Man ist einfach unsicherer im Verkehr unterwegs.
"Krone": Wollen Sie, dass der L- 17- Führerschein wieder abgeschafft wird?
Jonas: Das steht nicht mehr zur Diskussion. Aber ich bin dafür, dass man mehr auf das Risiko- Bewusstsein eingeht. Da sollte es nicht nur die allgemeine Belehrungen, sondern auch zumindest Einzelgespräche geben.
"Krone": Gibt es Zahlen, wie viele der Junglenker zur Hochrisikogruppe gehören?
Jonas: Nicht direkt. Aber das Schnellfahren – das ist der größte Risikofaktor – ist zu 90 Prozent ein männliches Phänomen. Und früher gab es für die ganz jungen Mopedschein- Anwärter einen psychologischen Test. An dem scheiterten etwa 30 Prozent der Kandidaten wegen fehlender Reife.