Schuster war von 1993 bis 2003 Vorstand der Hypo-Bank. Mit dem Wahlsieg Jörg Haiders im Jahr 1999 habe es nicht nur einen Landeshauptmann-Wechsel, sondern auch einen Paradigmenwechsel in der Bank gegeben, erzählte er.
Wunschliste von Jörg Haider
Zuvor habe er keinen politischen Einfluss, von welcher Seite auch immer, in der Hypo festgestellt. Jörg Haider als neuer Landeshauptmann habe Kulterer dann mit einer Wunschliste konfrontiert. Die Hypo hätte etwa Musikschullehrer, Empfänge auf der Seebühne und Mitarbeiter in Regierungsbüros finanzieren sollen. "Meiner Ansicht nach wäre das Untreue gewesen. Ich habe gesagt, das unterschreibe ich nicht", erinnerte sich Schuster. So seien die Wünsche nach Übernahme von Personalkosten nicht erfüllt worden.
Die Hypo habe die Rechnungen für Karten von Events und Veranstaltungen gezahlt, die der Landeshauptmann verteilt habe. "Ich habe nichts gegen Sponsoring, aber die Hypo war hier nicht als Sponsor sichtbar", erklärte er. Als er den damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Herbert Koch und dessen Stellvertreter Othmar Ederer darauf aufmerksam gemacht hat, habe er zur Antwort bekommen, das sei eine "kleinkarierte, beamtete Bewertung".
Hinweis von Kollegen: "Nicht zu Tode fürchten"
Richtig fand er die Expansion der Bank ins Ausland. Problematisch sei aber das explosionsartige Wachstum gewesen, Struktur und Eigenkapital hätten nicht mithalten können. Er habe davor gewarnt, was ihm den Ruf des Bremsers eingebracht habe. Als er das Wachstum von 40 Prozent in nur einem Jahr als gefährlich bezeichnet habe, sei ihm sowohl von den Vorstandskollegen als auch dem Aufsichtsrat mitgeteilt worden, er solle sich nicht zu Tode fürchten.
2000 wurde der Vorstand auf vier Personen aufgestockt, für die Auslandsgeschäfte sei dann Günter Striedinger zuständig gewesen. Mit ihm habe er "fundamentalste Auffassungsunterschiede" über die Führung einer Bank gehabt, sagte Schuster. Der Kreditbereich sei exorbitant gewachsen. Er sei schließlich ausgeschieden, weil er mit der Geschäftsführung der Kollegen und der Gestionierung der Kredite nicht einverstanden gewesen sei.
Die Landeshaftung sei ihm immer vorgekommen wie der Schwanz, der mit dem Hund wedle, denn die Bilanzsumme der Bank habe ein Vielfaches des Budgets ausgemacht.
Co-Chef Kulterer sieht BayernLB als Schuldige
Der ehemalige Hypo-Alpe-Adria-Vorstandschef Wolfgang Kulterer machte wenig später bei seiner Aussage die BayernLB für den Absturz der Hypo verantwortlich. Man müsse an die Bayern Schadenersatzforderungen stellen, sagte er vor den Abgeordneten im Kärntner Landtag.
Kulterers These, die er im überfüllten Plenarsaal - die Zuschauertribüne blieb aus unerfindlichen Gründen gesperrt - darlegte: Unter den Bayern habe die Hypo ein unkontrolliertes Wachstum aufgewiesen, das zu Problemen geführt hätte. Zudem sei es unverantwortlich, wie die BayernLB Ende 2009 ihr Tochterunternehmen in der öffentlichen Mediendiskussion abgehandelt habe. Damals hätten die Sparer quasi über Nacht rund eine Milliarde Euro an Einlagen abgezogen. "Ich verstehe nicht, dass man sich so etwas gefallen lässt", bekräftigte Kulterer seine Aussage. Geschädigt seien die Aktionäre, die Bayern selbst, die Grazer Wechselseitige Versicherung sowie die Kärntner Landesholding.
Kulterer: "Haider war nicht einfach"
Zur Frage, wie sich die Arbeit unter einem Landeshauptmann Jörg Haider geändert habe, sagte Kulterer, bis 1999 sei die Arbeit eine sehr angenehme gewesen, weil Bank durch die Landesregierung sehr in Ruhe gelassen wurde. "Haider war nicht einfach. Es ist in der Zeit kein Jahr vergangen, wo er mich lieber nicht in der Bank als Vorstand gesehen hätte, es hat immer wieder Zwistigkeiten gegeben." Bei einem politischen Vertreter, der seine Interessen wahrnehme, müsse man sich in gewissen Bereich arrangieren, setzte er hinzu.
Zu den Vorwürfen seines ehemaligen Vorstandskollegen, die Hypo habe auf Wunsch Haiders Veranstaltungen finanzieren müssen, erklärte er, man habe Sponsoring gemacht, auch im Jugendbereich. "Wir haben auf der Seebühne Karten für Kunden und Mitarbeiter gekauft, das ist allgemein bekannt." Aber die Bank habe nichts gemacht, was betriebswirtschaftlich nicht vertretbar gewesen sei.
Hätte die Zentrale nach Wien verlegt werden müssen?
Kulterer gestand aber auch eigene Fehler ein. Es wäre verrückt gewesen zu glauben, dass man eine Bank dieser Dimension in Kärnten entwickeln könne, meinte er. Man hätte die Zentrale 2002 nach Wien verlegen und die Eigentümerstruktur ändern sollen. Nur so hätte man sich aus der "optischen Umklammerung der Politik" lösen können. "Denn Haider hat sich auf alles draufgesetzt, dagegen konnte man sich nicht wehren. Und Haider hat hier auch keine Grenzen gekannt", erläuterte er. Sein zweiter Fehler sei gewesen, keine internationalen Experten in die zweite Führungsebene der Bank geholt zu haben. "Ein konsequenter und rücksichtsloserer Umgang mit langjährigen Weggefährten wäre notwendig gewesen", präzisierte er.
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