Ermittlungen wegen schwangerer Koma- Patientin

18.02.2013, 12:29
Ermittlungen wegen schwangerer Koma-Patientin (Bild:  (Bild: dpa/Ronald Wittek))
Eine albanische Studentin, die 2012 nach einem schweren Busunfall (Bild 2) zur Rehabilitation in Oberösterreich war, soll während der Therapie schwanger geworden sein. Die Familie der 23- Jährigen behauptet, dass dies passiert sei, als die Patientin im Koma gelegen sei. Nun wird wegen sexuellen Missbrauchs einer wehrlosen bzw. psychisch beeinträchtigten Person ermittelt. Das Therapiezentrum bestätigt den Aufenthalt der Frau, streitet jedoch ab, dass diese im Koma gelegen sei.

Der Leidensweg der jungen Frau hatte im Mai 2012 begonnen, als sie in einem Bus nahe der südalbanischen Stadt Himara schwer verunglückte. Das Fahrzeug war von der Straße abgekommen und 80 Meter in die Tiefe gestürzt. 13 Menschen starben, zahlreiche weitere Insassen wurden zum Teil schwer verletzt. Die 23- jährige Florije P. wurde auf Vermittlung der Raiffeisenbank Albanien ins Neurologische Therapiezentrum Gmundnerberg in Oberösterreich überstellt und war dort bis zum 11. Oktober in Behandlung.

Am Ende der Rehabilitation sei P. schwanger gewesen, berichtete der "Standard" am Montag. Laut albanischen Ärzten müsse der Geschlechtsverkehr, der zur Schwangerschaft führte, zwischen dem 20. und 25. September stattgefunden haben. Zu diesem Zeitpunkt war die Patientin noch in Österreich und lag laut Darstellung ihrer Familie im Koma.

Studentin mit schwerem Trauma und Erinnerungslücken

Die Frau selbst will sich nicht erinnern können, wie es zu der Schwangerschaft kam. Laut ihren Angehörigen sei die Studentin auch nach ihrer Therapie noch schwer traumatisiert gewesen und habe bis heute Erinnerungslücken. Nun hat die Familie eine Klage eingereicht. Christian Hubmer, Sprecher der Staatsanwaltschaft Wels, bestätigte am Montag eine Klage der Familie sowie die Ermittlungen.

Über den Zeitpunkt der Befruchtung gebe es "unterschiedliche Angaben", es sei jedoch möglich, dass diese in Österreich erfolgt sei, so Hubmer. Nun gelte es herauszufinden, ob ein strafbarer Tatbestand vorliegt. Dazu soll, wenn möglich, auch die Patientin einvernommen werden, wenngleich sie laut Hubmer körperlich und psychisch angeschlagen sein dürfte.

Reha- Zentrum: Frau hat "aktiv an Therapien teilgenommen"

Das beschuldigte Reha- Zentrum bestätigte den Aufenthalt der Patientin in Oberösterreich. Diese sei jedoch nicht im Koma gelegen, sondern habe vielmehr "aktiv an den Therapien teilgenommen", wie es in einer Aussendung des ärztlichen Leiters Hermann Moser heißt. Weitere Informationen wollte man unter Verweis auf laufende Untersuchungen nicht preisgeben.

Laut albanischen Medien soll der Vater von P.s ungeborenem Kind nun mittels DNA- Analyse ausgeforscht werden. Der Fall wird in Albanien besonders intensiv diskutiert, in dem Land gilt eine uneheliche Schwangerschaft in konservativen Familien als Verletzung der Familienehre.

AG/red
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