Gegenüber dem Vormonat Juli nahm die Arbeitslosigkeit insgesamt um über 6.400 Betroffene zu. Die Arbeitslosenquote nach nationaler Berechnung betrug im August 6,5 Prozent gegenüber 5,0 Prozent im Vorjahr und 6,3 Prozent im Juli.
AMS: Noch keine Entspannung
Laut AMS-Chef Herbert Buchinger ist der Anstieg der Arbeitslosigkeit im August im "Rahmen der Erwartungen". Es gebe noch keine Entspannung, aber auch nicht die von den Wirtschaftsforschern prognostizierte Verschärfung. Es weise auch derzeit nichts darauf hin, dass es im Herbst noch zu einem stärkeren Anstieg kommen werde. Auch der Rückgang der Kurzarbeit deute darauf hin.
Die Zunahme der Arbeitslosigkeit werde sich auch in den kommenden Monaten um jeweils rund 55.000 Personen im Jahresvergleich fortsetzen. 2010 sei mit einem monatlichen Anstieg um 40.000 bis 45.000 Betroffene zu rechnen. Das Ende der Krise am Arbeitsmarkt sei derzeit nicht absehbar. Dafür sei ein Wirtschaftswachstum von zumindest 2,5 Prozent notwendig.
Vom Anstieg der Arbeitslosigkeit waren im August wie schon in den Vormonaten die Bereiche Industrie, Zeitarbeiter und Bau mit Zuwächsen von 74,5, 35,4 bzw. 33,9 Prozent am stärksten betroffen. Am besten schnitt der Bereich Gesundheits- und Sozialwesen mit einem Plus von 16,5 Prozent ab. Im Tourismus und im Handel stieg die Arbeitslosigkeit im Jahresvergleich um 24,1 bzw. um 25,6 Prozent an.
Jugendarbeitslosigkeit weiter hoch
Nach wie vor hoch war im August die Jugendarbeitslosigkeit. Der Anstieg bei den 15 bis 24-Jährigen betrug im Jahresvergleich 29,5 Prozent und lag damit leicht unter dem Gesamtschnitt von 29,8 Prozent. Insgesamt waren Ende August 41.250 Jugendliche auf Jobsuche. Leicht rückläufig war im August die Zahl der Lehrstellensuchenden, und zwar um 0,4 Prozent oder um 38 Betroffene auf 8.538 Personen. Die Zahl der gemeldeten offenen Lehrstellen ging allerdings deutlich um 20 Prozent auf 3.990 Jobs zurück. Die Lehrstellenlücke stieg demnach um 960 auf 4.548. Bei den älteren, über 50-jährigen Personen nahm die Arbeitslosigkeit um 25,6 Prozent auf 45.936 Betroffene zu.
Oberösterreich am stärksten betroffen
Nach Bundesländern war vor allem Oberösterreich mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit um 51,8 Prozent betroffen. Es folgen die Länder Vorarlberg (plus 45,5 Prozent), Salzburg (+43,7), Kärnten (+43,2), Tirol (+38,7), Steiermark (+33,7), Niederösterreich (+30,3), Burgenland (+20,1) und Wien mit dem geringsten Anstieg um 14,6 Prozent.
Im internationalen Vergleich steht Österreich trotz des starken Anstiegs bei der Arbeitslosigkeit sehr gut da und liegt mit einer Quote von 4,4 Prozent (letzter verfügbarer Wert vom Juni 2009) hinter den Niederlanden (3,3 Prozent) am zweitniedrigsten Platz.
Derzeit sind keine neuen Kurzarbeitsprojekte geplant, berichtet das Sozialministerium am Dienstag. Derzeit sind 53.181 Beschäftigte in 321 Betrieben von Kurzarbeit betroffen. Davon sind 68 Kurzarbeitsprojekte mit Qualifizierungsprogrammen.
Regierung ortet Lichtblick
Vorsichtig optimistisch hat die Regierung auf die jüngsten Arbeitslosenzahlen reagiert. Von einer Entspannung wollten Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) und Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) freilich nicht reden, aber zumindest von einem Lichtblick.
Es gebe noch immer um 50.000 Arbeitssuchende zu viel, der Arbeitsmarkt sei im Fluss, sagte Hundstorfer. Das führte er nicht zuletzt auf den funktionierenden Konsum zurück. Der Sozialminister verwies auch auf den Höchststand an offenen Stellen in diesem Jahr.
Pröll: "Freier Fall gebremst"
Vizekanzler Pröll sprach "nach wie vor von einer Herausforderung", auch wenn es in manchen Bereichen eine positive Entwicklung gebe. Es sei zwar "der freie Fall gebremst" worden, ein nachhaltiger Weg aus der Krise jedoch noch nicht gegeben. Die Lage sei nach wie vor angespannt, aber es gebe einen positiven Lichtblick, so der Finanzminister.
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