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Chronologie einer unfassbaren Tragödie

05.09.2006, 12:06
 
Ein Montag im März 1998: Die Kinder der Klasse 4 c in der Volksschule Brioschiweg in Wien- Donaustadt sind niedergeschlagen. Angst und beklemmende Trauer - seit genau einer Woche fehlt von ihrer Schulkollegin Natascha Kampusch jede Spur. Aber die Kinder hoffen weiter: "Wir beten jeden Abend für sie." Die Gebete damals, sie galten einem zehnjährigen Mädchen. Acht Jahre später wird Natascha gefunden. Nach acht Jahren der Hölle.

Montag, 2.März 1998

Natascha liegt noch im Bett, will nicht aufstehen. Ihre Mutter, die 48- jährige Brigitta Sirny, wird ungeduldig. Als das Mädchen dann auch noch die Brille vergisst und sich nicht frisieren will, ist die Mutter wütend, ein kleiner Streit - Natascha verlässt weinend die Wohnung in dem riesigen Gemeindebau am Rennbahnweg. Fünf Minuten später trifft sie beim Kreisverkehr an der Ecke Panethgasse ihre beste Freundin. Die beiden Mädchen heben kurz die Hände, "Hallo", dann trennen sich ihre Wege. Sekunden darauf verliert sich Nataschas Spur. Doch erst am Abend, als die Kleine nicht vom Hort nach Hause kommt, wird ihr Fehlen bemerkt - die besorgten Eltern alarmieren die Polizei.

Riesige Fahndung

Die Behörden starten eine riesige Fahndung nach der vermissten Schülerin, die größte Suchaktion der zweiten Republik. Hundertschaften von Polizisten befragen Passanten. Das gesamte Gebiet zwischen Wohnung und Schule wird in 12 Sektoren geteilt und durchsucht. Auch Polizeitaucher sind im Einsatz, tauchen die Badeseen in der Umgebung Meter für Meter ab. Hubschrauber suchen aus der Luft nach Grabungsspuren und Leichenteilen und auf der Donau patrouillieren Polizeiboote.

Die Suche wird auch nach Ungarn ausgedehnt, weil Nataschas Vater, der 43- jährige Ludwig Koch, oft mit seiner Tochter zu Besuch bei Freunden war.

6. März 1998

Natascha wird in einem Auto mit ungarischen Kennzeichen gesehen. Großalarm, doch das Mädchen auf dem Rücksitz sieht ihr nur ähnlich.

27. März 1998

Der "Fall Natascha" wird in "Aktenzeichen XY" aufgerollt. Hinweise versprechen sich die Fahnder vor allem auf die gelb- türkisfarbene Schultasche des Kindes, die ebenso wie die rote Winterjacke weg ist.

Doch Natascha bleibt verschwunden, spurlos, und ihre Eltern, sie drohen am ungewissen Schicksal ihrer Tochter zu zerbrechen. Ludwig Koch: "Ein wahrgewordener Alptraum, den sich niemand vorstellen kann. Jetzt können nur noch eine Fügung oder der Zufall die Aufklärung der wahren Hintergründe bringen..."

1. April 1998

Ein technisch hochspezialisierter Hubschrauber wird eingesetzt, außerdem suchen Taucher der Alarmabteilung WEGA Badeteiche bei Süssenbrunn ab. Nichts.

Im Oktober 1998 dann ein letzter Appell der Eltern: "Vielleicht hat der Täter ein letztes bisschen Menschlichkeit und lässt uns die Klarheit, ob Natascha lebt oder tot ist."

Juni 2003: Schotterteich abgebaggert

Und im Juni 2003 ein weiterer Großeinsatz. Nach Hinweisen eines Detektives wird 267 Wochen nach Nataschas Verschwinden ein Schotterteich bei Baumgarten abgebaggert. Der kleine Ort Baumgarten, nur 20 Kilometer entfernt von jener Stelle, an der Natascha nun gefunden wurde.

Ludwig Koch: "Wir werden immer hoffen"

Ludwig Koch, vor acht Jahren nach dem Verschwinden seines Kindes: "Wir werden immer hoffen, denn Hoffnung ist das einzige, das uns am Leben hält." Dieser Mann, der sich immer an den Glauben einer Fügung geklammert hat. Er hat recht behalten, es war wohl eine Fügung, dass Natascha ihrem Peiniger nun entkommen konnte. Nach acht Jahren der Hölle.

Von Alexandra Wehner

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