Kern kündigte nach seinem Amtsantritt eine verstärkte Serviceorientierung der Bahn an - und musste sich gleich an seinem ersten Arbeitstag mit der Aufarbeitung der Vergangenheit beschäftigen: Der Rechnungshof veröffentlichte einen kritischen Bericht über die Spekulationsgeschäfte der Bundesbahn (siehe Infobox), die noch unter Kerns Vor-Vorgänger Martin Huber 2005 eingegangen worden waren. Huber war von Peter Klugar abgelöst worden, der nun den Chefsessel an Kern übergab. Die ÖBB wollen den Bericht prüfen.
Neue Weichen für die Arbeit
Mit dem Wechsel an der Spitze wurden auch neue Weichen für die Arbeit des Trios gestellt:
Alle drei Holding-Vorstände werden über Aufsichtsratsmandate in den Tochtergesellschaften Personenverkehr, Rail Cargo Austria und Infrastruktur direkt in der Kontrolle verankert.
Neue Abteilung für Kundenzufriedenheit
Als Ausdruck einer verstärkten Serviceorientierung werde eine neue "Abteilung für Kundenzufriedenheit und Qualitätsmanagement" geschaffen, teilten die ÖBB in einer Aussendung mit. Die viel kritisierten Verspätungen der Bahn seien in den letzten Monaten massiv zurückgegangen, die Lage werde sich weiter verbessern, versprach Aufsichtsratsvorsitzender Horst Pöchhacker.
Pöchhacker forderte die ÖVP zur Zusammenarbeit rund um die ÖBB auf. Durch Propaganda, "leider auch durch die ÖVP", sei der Eindruck entstanden, dass die Bundesbahn ein "Privilegienstadl" sei, doch das Gegenteil sei der Fall. Die ÖVP solle ihren Stil ändern: "Die Bahn ist wesentlich besser als ihr Ruf." Auf wenig Gegenliebe stieß sein Appell bei ÖVP-Verkehrssprecher Ferdinand Maier: Pöchhacker verwechsle offenbar die Aufsichtsrats-Funktion der ÖBB mit der Funktion des Geschäftsführers der SPÖ. Für die ÖBB-Bediensteten fordert Maier - wie schon zuvor mehrmals ÖVP-Finanzstaatssekretär Reinhold Lopatka - eine Nulllohnrunde.
Für die rund 42.000 ÖBB-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steht eine Lohnrunde bevor. Die Lohnverhandlungen könnten zu einer ersten Machtprobe für Kern und Konzernbetriebsratschef Wilhelm Haberzettl werden. Zweiter interner Streitpunkt sind die frühen Pensionierungen mit im Schnitt 52 Jahren: Die Vorgabe der Verkehrsministerin lautet, das Pensionsantrittsalter jährlich um ein Jahr anzuheben - die ÖVP sieht hier ebenfalls zu wenig Bemühungen.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.