Erst vor Gericht zeigen manche Banker ihr wahres Gesicht. Keine Spur mehr von jovialen Gesten und finanziellen Versprechungen. Anschuldigungen, Prozesse und eiskalte Anwälte treten an deren Stelle.
Diese Erfahrung müssen die Brüder N. derzeit machen. 750.000 Euro haben sie 1999 von ihrer Tante bekommen. Das Geld sollte konservativ veranlagt werden. Lange Laufzeit, fünf Prozent Zinsen und Kapitalgarantie.
Als die Brüder N. 2004 dann "Kassasturz" machten, staunten sie nicht schlecht: Es waren nur noch 109.000 Euro übrig. 641.000 Euro hatten die "raffinierten" Finanzakrobaten der Sparkasse Imst am Weltmarkt verzockt! Ein Schock für das bescheidene Brüderpaar.
Das weitere Verhalten der Bank ist sehr abenteuerlich: Der Sparkassenvorstand bestritt plötzlich die Echtheit des Vertrages, der mit den Brüdern N. abgeschlossen wurde. "Sie wollten zocken", behauptete die Bank. "Wir wollten sparen", entgegneten die Brüder. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Imster Bank soll die verzweifelten Kunden sogar gezwungen haben, den Vertrag als nichtig zu erklären.
Richterin Claudia Zimmermann- Ganahl machte im Prozess am Freitag klar, dass ein möglicher Schuldspruch zum Nachteil der Bank weitreichende Folgen haben würde. Im Klartext: Sollte das Gericht zu Gunsten der Brüder N. entscheiden, finden sich einige "Nadelstreif- Banker" wohl auf der Anklagebank am Strafgericht wieder. Urteil (oder Vergleich) ergeht schriftlich.
von Matthias Holzmann, Tiroler Krone
Symbolbild