"Krone": Herr Botschafter, wie beurteilen Sie die Lage im Jemen?
Gregor Kössler: Die Regierung will einen nationalen Dialog, befindet sich wegen der politischen Situation (Anschläge, Al-Kaida) aber in der Dauerkrise. Im Süden gibt es seperatistische Tendenzen, die sogar zum Bürgerkrieg führen könnten. Ein weiteres Problem für Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi ist, dass sein Vorgänger Ali Abdullah Saleh, der sich im Zuge des arabischen Frühlings zurückziehen musste, immer noch viele Zügel in den Händen hält. Am Mittwoch kam es in Sanaa erneut zu einer Großdemonstration für ihn.
Den "Krone"-Lokalaugenschein am Ort der Entführung findest du in der Infobox!
"Krone": Welche Rolle spielt Präsident Hadi im Geiseldrama?
Kössler: Er musste sich aufgrund der aktuellen Unruhen in den Süden nach Aden begeben. Er hat die Entführungscausa aber zur Chefsache erklärt. Als Regierungschef hat er ein ureigenes Interesse daran, dass der Mann wieder freikommt.
"Krone": Wie viel Europäer werden derzeit im Jemen festgehalten?
Kössler: Derzeit gibt es noch vier Entführungsfälle (die Schweizerin, die ein Jahr gefangen war, ist seit Donnerstag frei, Anm. d. Red.). Neben dem Österreicher werden zwei Finnen festgehalten. Und ein Saudi. Wir hoffen alle sehr, dass das Ultimatum für Dominik Neubauer verlängert wird, konkrete Anzeichen gibt es aber leider noch nicht.
"Krone": Arbeiten Sie mit den Finnen vor Ort zusammen?
Kössler: Wir kooperieren und tauschen uns regelmäßig aus. Besonders wichtig war für uns jedoch auch die Unterstützung durch die EU-Botschafterin vor Ort. Die EU ist in Sanaa mit einer Delegation vertreten.
"Krone": Wer hat das YouTube-Video der Kidnapper im Internet eigentlich entdeckt?
Kössler: Ein Kollege aus dem Team ist bei einer Routine-Recherche am Samstag auf das Video gestoßen. Offenbar wurde es schon zwei Tage zuvor online gestellt.
"Krone": Was hat sich seit der Veröffentlichung des Videos und des Bekanntwerden eines Ultimatums bei ihren Bemühungen verändert?
Kössler: Der Zeitdruck ist hinzugekommen, und der macht das Unterfangen natürlich wesentlich schwieriger.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.