"Krone"-Interview

Basejumperin Maria Steinmayr: “Ich bin nicht irre”

Österreich
12.06.2013 10:24
Ihr Spitzname ist McFly – nach Marty McFly aus "Zurück in die Zukunft". Maria Steinmayrs erster Fluglehrer taufte sie so, weil er während eines Fallschirmsprungs auf ihren Helm klopfen musste: "Hallo, ist jemand zuhause?" Die heute 22-Jährige hatte auf seine Handzeichen nicht reagiert. Das ist lange her. Seit dem Wochenende kennt die halbe Welt die Oberösterreicherin. Bei den Basejump-Weltmeisterschaften im spanischen Alicante sprang sie von einem 160 Meter hohen Hotel - und krachte im zehnten Stock in einen Balkon!

"Krone": War das Ihr letzter Sprung, Frau Steinmayr?
Maria Steinmayr: Nein, sicher nicht! Der Sport gibt mir extrem viel zurück.

"Krone": Wie ist der missglückte Sprung vom Bali Hotel abgelaufen? Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie merkten, dass Sie jetzt ernsthafte Probleme haben?
Steinmayr: Der Sprung hat normal begonnen. Der Wind war okay. Doch mein Schirm hat sich verkehrt herum geöffnet – das wäre noch kein großes Problem gewesen. Aber dann hat's mich zweimal eingedreht, ich konnte nicht mehr steuern und bin auf das Haus zugeflogen.

"Krone": Und dann?
Steinmayr: Als ich mich rausgedreht hatte, bin ich schon zum ersten Mal gegen die Fassade geknallt. Beim zweiten Aufprall blieb der Schirm hängen und löste sich wieder. Ich war also wieder im freien Fall! Das war nicht so cool. Irgendwie hab ich mich gedreht und bin dann oberhalb des Balkons hängen geblieben. Dann habe ich versucht, mich rüberzurollen, um auf diesen Balkon zu kommen.

"Krone": Hatten Sie Todesangst?
Steinmayr: Ich habe da nicht so viel gedacht. Ich habe probiert, meinen Schirm wieder hinzubekommen. Da sollte man nicht denken, sondern etwas tun.

"Krone": Wie sind Sie von dort oben, dem zehnten Stock, wieder runter gekommen?
Steinmayr: Na ja, die Balkontür war offen! Ich bin durch das Zimmer und auf den Flur des Hotels. Dort habe ich so lange an Türen geklopft, bis mir jemand geöffnet hat.

"Krone": Welche Verletzungen haben Sie davongetragen?
Steinmayr: Ich habe mir die Nase gebrochen, Oberschenkel und Knie sind geprellt, dazu ein paar Kratzer. Ich bin glimpflich davongekommen. Die Nase hätte ich gerne wieder gerade!

"Krone": Sie wohnen auch in dem Hotel, vor dem das Unglück passierte. Ist das nicht seltsam, dort jetzt wieder aufzuwachen?
Steinmayr: Irgendwie schon. Wenn ich zum Frühstück gehe, spricht mich jeder drauf an und fragt, wie es mir geht.

"Krone": Wann war Ihnen klar, dass Sie fast gestorben wären?
Steinmayr: Das habe ich erst einen Tag später realisiert.

"Krone": Bereiten Sie sich mental vor? Wenn ja, wie?
Steinmayr: Es ist sehr viel psychische Vorbereitung. Da geht eine Menge im Kopf ab. Ich stelle mir Situationen vor, die eintreten könnten, und gehe das durch: Was mache ich, wenn mein Schirm verkehrt aufgeht? Wie löse ich das? Immer und immer wieder.

"Krone": Warum sind Sie Basejumperin geworden? 
Steinmayr: Ich wollte das, seit ich 15 Jahre alt war. Es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Auf meinen ersten Basejump habe ich mich mit einem Trainer und vielen Fallschirmsprüngen sechs Monate vorbereitet.

"Krone": Wo war der erste Sprung?
Steinmayr: In Berlin von einem 100 Meter hohen Windrad.

"Krone": Was ist Ihre Motivation?
Steinmayr: Auf jeden Fall die Leute, die in diesem Sport aktiv sind. Ich habe da extrem viele Freunde. Na klar, man wird vorsichtiger. Und natürlich werde ich mich künftig noch besser vorbereiten.

"Krone": Haben Sie beim Basejumpen Freunde verloren?
Steinmayr: Ja.

"Krone": Was sagt Ihre Familie zu Ihrem riskanten Hobby?
Steinmayr: Sie freuen sich nicht unbedingt, sind aber froh, dass ich etwas habe, das mir so viel Spaß macht.

"Krone": Wie finanzieren Sie Ihre Leidenschaft?
Steinmayr: Ich arbeite als Industriekletterin.

"Krone": Warum sind Sie noch immer die einzige Frau in Österreich, die sich das traut?
Steinmayr: Ich weiß es nicht. Das ist sehr schade. Ich hätte gerne mehr Mädels in dem Sport.

"Krone": Sind Sie Sportlerin oder doch eine Irre?
Steinmayr: Sportlerin! Wenn ich vier Stunden auf einen Berg gehe und dann in einem Wingsuit da runterspringe, verlangt einem das einiges mehr ab, als mit dem Fahrrad ein paar Runden ums Haus zu drehen. Ich trainiere viel dafür. Das ist sehr anstrengend.

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