Der ehemalige AvW- Mitarbeiter sei seit September 2004 als Prokurist für die AvW Invest, die wiederum für die Gruppe Beteiligungstransaktionen durchführt, tätig gewesen. In dieser Funktion sei er berechtigt gewesen, die Gesellschaft "nur gemeinsam mit einem Vorstandsmitglied oder gemeinsam mit einem weiteren Prokuristen" zu vertreten. Darüber hinaus hätten Einzelberechtigungen für Konten und Depots bei der zur Grazer Wechselseitigen Gruppe (GraWe) gehörenden Capital Bank sowie bei der Raiffeisen Centrobank (RCB) bestanden, um Wertpapiertransaktionen für die AvW Invest durchführen zu können, heißt es in der Sachverhaltsdarstellung der AvW. Hier habe das "strikte Vier- Augen- Prinzip", also die Rücksprache mit dem Vorstand, gegolten. Mit anderen Banken habe er keine Geschäftsbeziehungen eingehen dürfen, die Eröffnung von Konten und Depots sei nur mit Zustimmung des Vorstands erlaubt gewesen.
Am 9. Oktober habe die Capital Bank den AvW- Chef Wolfgang Auer von Welsbach darüber informiert, dass auf dem Konto der AvW Gruppe "aufgrund zahlreicher millionenschwerer Geschäfte, hauptsächlich mit der Landesbank Baden- Württemberg (LBBW), ein Negativbetrag in der Höhe von 22 Mio. Euro aufscheine". Außerdem würden auf dem auf die Gruppe lautenden Depot eine Million RHI- Aktien fehlen. Deswegen habe die Capital Bank einen Nachschuss (Margin Call) bis zum 13. Oktober verlangt. Diese Verbindlichkeiten seien der AvW vorher nicht bekanntgewesen.
In einem Conference Call soll der Ex- Prokurist dann angegeben haben, dass ein Geschäft mit dem Brokerhaus RRS Capital Strategies Services über 700.000 Stück RHI- Aktien storniert worden und daraufhin das Minus entstanden sei. Später soll der Mann mitgeteilt haben, dass die fehlenden RHI- Aktien (1 Million Stück) am darauffolgenden Tag rückübertragen werden. Das sei aber nicht geschehen.
"Ganz im Gegenteil" habe der Mann mit der LBBW eine Transaktion abgeschlossen, wonach diese Anteile am 10. Oktober um 25,5 Millionen Euro zurückzukaufen seien. Dieses Geschäft habe aber mangels Deckung nicht durchgeführt werden können und "folglich sind diese Anteile zum Schaden der AvW Gruppe AG verloren". Die Gruppe habe stets 2,3 Millionen Stück RHI- Aktien auf Depot bei der Capital Bank und bei der RCB gehabt - als Sicherstellung, falls Anleger ihre Genussscheine zurückverkaufen wollten. Der Ex- Prokurist hätte diesen Bestand ohne Zustimmung "unter keinen Umständen" antasten dürfen, so die Darstellung.
Um den Margin Call geheimzuhalten, habe der Mann eine "Vielzahl wirtschaftlich unerklärlicher Geschäfte" abgewickelt, die von ihm beauftragt zwischen Capital Bank und LBBW, der Raiffeisen- Landesbank NÖ- Wien (RLB NÖ- Wien) sowie der RRS durchgeführt worden sein sollen - "im möglichen Zusammenspiel mit Personen bei den involvierten Banken", wie es heißt. Näheres wird nicht ausgeführt.
"Inhalt dieser Geschäfte war es stets, durch Verkäufe von Aktien der AvW Gruppe AG unter gleichzeitiger Vereinbarung, diese Aktien über eine Kaufoption zu einem späteren Zeitpunkt wieder zu erwerben, kurzfristige Liquidität am Depot bei der Capital Bank vorzutäuschen, um so die Fälligstellung des Margin Calls abzuwenden".
In der Sachverhaltsdarstellung der AvW werden Vorwürfe nicht nur gegen den Ex- Prokuristen sondern auch gegen die deutsche LBBW Bank und die Capital Bank erhoben.