Wie erst am Sonntagabend bekannt wurde, sind auch die beiden aus Indien angereisten Sikh- Prediger unter den Schwerverletzten. Beide Männer schweben in Lebensgefahr, so Polizeisprecher Michael Takacs. Bei den Predigern handelt es sich um Sant Niranjan Dass und um Nand Rama Sand. Sie wurden von je zwei Kugeln getroffen.
Zwischen 150 und 350 Menschen hatten sich in dem Gebetshaus in der Pelzgasse 17 in Rudolfsheim- Fünfhaus versammelt, um die Predigt der extra aus Indien angereisten Gurus zu hören. Wie einer der Gläubigen, Jasuf K., berichtete, hatte man bereits im Vorfeld Schwierigkeiten mit Sikh befürchtet. Man habe darüber auch die Polizei informiert und gebeten, dass diese bei Problemen möglichst schnell kommen solle. Polizeisprecher Michael Takacs konnte dies vorerst nicht bestätigen.
Bilder vom Tatort, einen Augenzeugen- sowie einen Lokalaugenschein- Bericht findest du in der Infobox!
Wie ernst die Befürchtungen zu nehmen waren, zeigte sich am Sonntag kurz nach 13 Uhr: Die sechs Männer mit blau- gelben Turbanen und langen Bärten standen plötzlich auf und gingen auf die Gurus los. Einige Menschen im Hauptgebetsraum warfen sich dazwischen und gingen ihrerseits auf die Angreifer los.
Die Angreifer wurden selbst schwer verletzt, berichtete Bernhard Segal von der Wiener Rettung. Sie erlitten schwere Verletzungen an Bauch und Oberschenkel, einer wurde mit einem Kopfschuss ins Krankenhaus gebracht. Wie oft geschossen wurde, war vorerst unklar. Am Tatort wurden drei Patronenhülsen sichergestellt. Zwei Täter wurden nur leicht leicht verletzt, sie befinden sich nach der ärztlichen Versorgung bereits in U- Haft.
Die alarmierten Einsatzkräfte lotsten die in Panik ins Freie strömenden Menschen weiter und sicherten den Außenbereich. Kurz danach waren elf Mitglieder der WEGA an Ort und Stelle und stürmten in den Gebetssaal, der aber bis auf mehrere Verletzte bereits leer war. Drei Hubschrauber sowie 16 Rettungsfahrzeuge waren im Einsatz. Die Angreifer wurden beim Transport in das SMZ Ost, das Unfallkrankenhaus Meidling, in das Lorenz- Böhler- Spital sowie ins Krankenhaus Krems mit Handschellen gesichert. Wie viele Menschen tatsächlich verletzt wurden, ließ sich laut Takacs zunächst nicht genau sagen, da wohl die meisten Gläubigen in Panik geflüchtet waren.
Auslöser der Bluttat dürften Streitigkeiten zwischen mehreren Gebetshäusern sein, die offenbar schon einige Jahre schwelten, berichtete Jasuf K., ein Augenzeuge der Schießerei. Die "Konkurrenz" aus Wien- Donaustadt und Meidling habe offenbar mit Konsequenzen gedroht, sollte der Guru in Wien predigen.
Nach Angaben des indischen Internetdiensts "Punjab Newsline" kam es zu dem blutigen Angriff, weil dem Prediger Sant Niranjan Dass und seinen Anhängern sogenannte Siropas (Schals) überreicht wurden, was bei den Sikhs als besondere Ehrerbietung gilt.
Nach dem Blutbad im dem Gebetshaus ist es am Sonntagabend in der nordwestindischen Provinz Punjab zu gewaltsamen Protesten von Anhängern der Sikh- Glaubensströmung Dera Sachkhand gekommen. Die Gläubigen blockierten eine Autobahn, beschädigten drei Autobusse und setzten ein Fahrzeug in Brand, nachdem sich die Nachricht verbreitet hatte, dass bei der Schießerei der Anführer der Sikh- Bewegung, Sant Niranjan Dass, zu Schaden gekommen sei, berichtete die "Times of India" in ihrer Internetausgabe.
Anhänger der Sekte und Dalit- Aktivisten ("Unberührbare") hätten die Autobahn 1 in der Stadt Phagwara fast eine Stunde lang blockiert, um gegen den Zwischenfall in Wien zu protestieren. Einige Protestierende hätten Fahrzeuge mit Steinen beworfen und dabei drei Busse beschädigt. Im Ort Buta Mandi hätten Anhänger der Glaubensrichtung einen abgestellten Lastwagen in Brand gesetzt.
Die Anhänger der schwer verletzten Prediger kündigten für Montag einen Generalstreik im gesamten Bundesstaat Punjab an. Sollten die Verantwortlichen nicht innerhalb von zwei bis drei Tagen dingfest gemacht werden, werde es einen eintägigen Generalstreik in ganz Indien ("Bharat Bandh") geben, drohten die Protestierenden. In einigen Teilen der am stärksten von den Protesten betroffenen Stadt Jalandhar wurde bereits eine Ausgangssperre verhängt, nachdem hunderte Dalits auf die Straße gegangen waren.
FPÖ- Chef Heinz- Christian Strache nahm den Angriff in dem indischen Tempel zum Anlass, die Zuwanderungspolitik der SPÖ zu kritisieren. Deren "Weg der offenen Türen" führe "geradezu ins Chaos, in die multikulturelle Kriminalität", so Strache in einer Aussendung.
Eine Reaktion der SPÖ ließ nicht lange auf sich warten. Es sei "ungeheuerlich", dass Strache jetzt nichts anderes im Sinn habe, "als weiter in Hassprediger- Manier die Menschen aufzuhetzen", empörte sich Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger. "Fanatismus, woher immer er herkommt und von wem immer er ausgeübt wird, ist ohne Wenn und Aber zu verurteilen", betonte sie. Landesparteisekretär Christian Deutsch bezeichnete es als "zutiefst schäbig, wenn Strache den tragischen Vorfall missbraucht, um seine Hetze gegen Religionen fortzusetzen".
Die Klubobfrau der Grünen Wien, Maria Vassilakou, forderte Strache auf, "seinen religiösen und politischen Fanatismus aus dem Spiel zu lassen und die Ermittlungsergebnisse der Polizei abzuwarten".
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