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Angeklagter: "Wir wollten religiösen Dialog führen"

12.07.2010, 17:05
Foto: APA/GEORG HOCHMUTH / Video: APA
Mit der Befragung der sechs Angeklagten hat am Montag am Straflandesgericht der Prozess um die Schießerei in einem Tempel der Ravidass- Gemeinschaft in Rudolfsheim begonnen, bei der am 24. Mai 2009 aus Indien angereiste Gurus getötet bzw. schwer verletzt worden waren. Der 35- jährige Hauptangeklagte behauptete, sich aufgrund einer Kopfverletzung, die ihm unmittelbar nach den Schüssen zugefügt worden war, an nichts erinnern zu können. Immerhin wussten die Beschuldigten aber noch, weswegen sie in das Gebäude eingedrungen waren: um einen "Dialog" zu führen, wie ihr Verteidiger beteuerte.

Der Prozess begann unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen. Alle Zuhörer werden genau kontrolliert. Der Große Schwurgerichtssaal, in den die sechs Angeklagten geführt werden, war streng überwacht.

Richterin Susanne Lehr, die im Juli vorerst fünf Verhandlungstage ausgeschrieben hat, welche ausschließlich für die Einvernahmen der sechs Angeklagten reserviert sind, bekam vom 35- jährigen Sikh, dem Mord und zweifacher Mordversuch angelastet wird, nur immer wieder zu hören, dass man ihm erzählt hätte, er habe jemanden erschossen. Der Mann gab an, weder den Ravidass- Tempel in der Pelzgasse in Rudolfsheim zu kennen, noch seine fünf Glaubensbrüder. Sein Anwalt betonte, er habe durch den Umstand, dass er nach den Schüssen überwältigt und brutal verprügelt worden sei, einen "lebensgefährlichen Eindrückungsschädelbruch" erlitten, wegen dem ihm "Knochenstücke aus dem Gehirn entfernt werden mussten", weshalb der Erinnerungsverlust "logisch erklärbar" sei.

War es ein "geplantes Attentat"

Seitens der Staatsanwaltschaft wird den sechs Angeklagten jedenfalls vorgeworfen, sie hätten in "fanatischer" Absicht ein "geplantes Attentat" auf die beiden Gurus verübt. Dabei war der aus Indien angereiste Guru Sant Rama Nand getötet sowie Sant Niranjan Dass schwer verletzt worden. Hintergrund der Tat sei ein Jahrhunderte alter Konflikt zwischen den Sikhs und der Ravidass- Religionsgemeinschaft. Beide verehren ein "Heiliges Buch" - allerdings erlauben die Ravidass ihrem Guru, auf selber Höhe wie das Buch zu sitzen - für die Sikhs eine Provokation.

Dass es gerade in Wien zu der Schießerei gekommen war, bezeichnete die Staatsanwaltschaft als "Zufall". Denn die Gurus waren zu dieser Zeit auf "Europatournee" und besuchten zahlreiche Länder, die von der Bedeutung her einem Papstbesuch im Christentum gleichzusetzen sei. Am jenem 24. Mai 2009 hatten sich in dem Ravidass- Tempel in Wien 200 bis 300 Gläubige versammelt um gemeinsam zu beten. Unmittelbar nachdem die sechs Sikhs den Tempel betraten, kam es zu der Schießerei. Während der 35- jährige Hauptangeklagte auf den Guru gefeuert habe, sollen die anderen fünf Beschuldigten mit Dolchen auf die Ravidass- Anhänger losgegangen sein.

Verteidigerin wetterte gegen "alte Klischees"

Die Verteidigerin der fünf Mitangeklagten ist hingegen von einer gänzlich anderen Version überzeugt, warf der Staatsanwaltschaft vor "alte Klischees" zu bedienen und gab an, ihre Mandanten würden auf "nicht schuldig" plädieren. Denn auf den Dolchen seien kaum Spuren gefunden worden, die darauf hindeuten, die Männer wären auf die Betenden losgestürmt. Außerdem habe man auch sie - ebenso wie den 35- jährigen Hauptangeklagten - überwältigt und schwer verletzt.

"Wir wollten reden"

Einer der Angeklagten ging ins Detail: "Die Gurus wollten sich auf die gleiche Ebene mit dem heiligen Buch begeben. Das darf man nicht, und darüber wollten wir reden. Ich habe mich im Tempel hingesetzt und die Augen geschlossen. Plötzlich hörte ich die Schüsse. Mir wurde der Turban vom Kopf gerissen, und ich wurde mit einem Holzprügel niedergeschlagen."

Ungeachtet dessen beantragte die Opferanwältin für mehrere Mandanten jeweils bis zu 4.200 Euro Schmerzensgeld, denn bei dem Kampf in dem Tempel waren zahlreiche Ravidass- Gläubige verletzt worden. Die Verhandlung wird am Dienstag fortgesetzt.

von Peter Grotter, Katharina Stalla (Kronen Zeitung) und wien.krone.at

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