Am Freitag hatte eine 50- jährige Lehrerin wieder einmal vorgehabt, nach ihrer Mutter zu sehen. Doch niemand öffnete die Tür. Die Steirerin befürchtete sofort Schlimmes und rief per Handy ihren nördlich von Graz wohnenden, jüngeren Bruder (37) an. Der gelernte Tischler öffnete mit Hilfe eines Dietrichs die Eingangstür. Sekunden später bot sich den Geschwistern in der Küche ein schreckliches Bild: Ihre Mutter lag mit dem Gesicht nach oben tot auf dem Boden.
Ihr Hund, den sie erst vor einigen Monaten bekommen hatte, war im Wohnzimmer - in dem der Fernsehapparat lief - eingesperrt worden. Der Sohn: "Es ist furchtbar! Zuletzt hat meine Mutter eine Operation gut überstanden, sie war eine rüstige Frau. Ich erinnere mich noch gut, alle Kinder habe ihr gerade erst zum 74. Geburtstag gratuliert."
Wie die nachts durchgeführte Obduktion ergab, war die Pensionistin - die entlegen und in einfachsten Verhältnissen gelebt hatte - vermutlich schon gegen 4 Uhr früh durch wuchtige Schläge auf den Kopf getötet worden. Danach schnitt ihr der Täter die Kehle durch, weil er in seiner Brutalität offenbar auf Nummer sicher gehen wollte. Die Frau hatte nicht den Funken einer Chance.
"Bis auf den Hausschlüssel fehlt gar nichts", sagt Chefermittler Anton Kiesl: "Wir schauen uns jetzt das Umfeld der Frau genau an und ermitteln in alle Richtungen." Es werden Nachbarn befragt und alle drei Kinder der Ermordeten. Eine wichtige Auskunftsperson ist auch der aus Pakistan stammende Adoptivsohn der Oststeirerin, dem die 74- Jährige als politischem Flüchtling stets geholfen und ihm zu Lebzeiten auch das Haus samt sechs Hektar Grund überschrieben hatte. Der Mann hält sich derzeit in Pakistan auf. Anton Kiesl: "Auch er kann uns wichtige Informationen geben."
von Manfred Niederl ("Steirerkrone") und steirerkrone.at