Etwa 9,6 Millionen Euro an Strafgeldern gehen allein Oberösterreich jährlich verloren, weil sich 106.000 geblitzte ausländische Temposünder in ihren Heimatländern nicht selbst belasten und damit keinen Lenker nennen müssen. Deshalb werden in Deutschland Raser von vorne geblitzt, um sie identifizieren zu können.
Mit neuen Frontkameras will man nun endlich Raser- Touristen strafen können. Im Land ob der Enns wird es aber nur zwei solche Tempokontrollen geben, die Raser erst von hinten und dann mit einer dreißig Meter entfernten zweiten Kamera zusätzlich von vorne blitzen.
Oberösterreichs Verkehrspolizeichef Oberst Josef Reiter ist gedämpft optimistisch: So gibt es in Deutschland (232.000 Straßenkilometer) jährlich etwa fünf Millionen Front- Radaranzeigen, im nur ein Viertel so großen Österreich mit 106.000 Straßenkilometern 4,5 Millionen Heck- Radaranzeigen pro Jahr.
"Die Qualität der Front- Bilder dürfte nicht die beste sein, nur jedes dritte bis fünfte reicht aus, um Lenker überführen zu können"“, interpretiert Josef Reiter diese Zahlen.
Front- Bilder zeigen aber auch, was der geblitzte Lenker gerade macht: ob er mit dem Handy am Ohr telefoniert oder ob er angegurtet ist. Gegen österreichische Tempo- Bolzer dürfte das nicht verwendet werden, da ihre Front- Aufnahmen sofort vernichtet werden und nur die traditionelle Rückenansicht des Fahrzeugs an die Strafbehörde geschickt wird.
"Außerdem ist zu befürchten, dass durch Gehänge an den Innenspiegeln oder durch Navi- Geräte Gesichter von Lenkern so weit abgedeckt werden, dass ohnedies nicht alles zu erkennen ist", glaubt Reiter.
von Johann Haginger, "OÖ Krone"