Umbruch im Paradies

Linzerin erlebt Chaos in Tunesien hautnah mit

Oberösterreich
15.01.2011 17:54
Nach dem Umsturz herrscht Chaos in dem ehemaligen Urlaubsparadies Tunesien. Mit einer "Luftbrücke in die Heimat" wollen Reiseveranstalter und Fluggesellschaften Kunden und Mitarbeiter aus der Gefahrenzone bringen. Mitten in dem Chaos lebt eine Linzerin. Sie bleibt und sagt: "Ich bin bei der Geburt von Demokratie dabei."

"Krone": Sie stammen aus Linz, leben aber seit 15 Jahren in Tunesien. Wie geht es Ihnen?
Gudrun Sageder: Ich bin guter Dinge und glücklich, dass diese kriminelle Regierung vertrieben wurde. Ich bin hier bei der Geburt einer Demokratie dabei.

"Krone": Haben Sie keine Angst?
Sageder: Doch, erst letzte Nacht gab es wieder Schüsse und Detonationen. Das sind aber Polizisten und Miliz, die regimetreu waren und jetzt plündern. Ich habe gesehen, wie sie eine Boutique ausgeräumt haben.

"Krone": Die Bevölkerung ist aber auch nicht friedlich...
Sageder: Ich verstehe ihren Zorn, Diktator Ben Ali und seine Familie haben Angst und Schrecken verbreitet. Wäre er an der Macht geblieben und hätte er von diesem Interview erfahren, wäre ich sehr schnell verschwunden. Jetzt, wo er weg ist, beruhigt sich aber alles, die Leute sind positiv.

"Krone": Wie ist der Informationsfluss im Land?
Sageder: Sehr gut, dank der sozialen Netzwerke. So wurde ein großer Teil des Aufstandes organisiert.

"Krone": Wie soll es weitergehen?
Sageder: Noch arbeitet hier niemand, Schulen sind geschlossen. Jetzt muss das Militär für Sicherheit sorgen. Dann ist es wichtig, dass Urlauber weiterhin kommen und die Firmen dableiben. Sonst kann alles zusammenbrechen.

von Jasmin Gaderer, "OÖ Krone"

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