Kartnig-Prozess

Zeuge Stronach: Geld an Sturm Graz “kein Geschenk”

Steiermark
07.02.2012 17:49
Mit der Befragung von Frank Stronach als Zeuge ist am Dienstag im Grazer Straflandesgericht der Prozess gegen Hannes Kartnig und sieben Mitbeschuldigte aus dem Umfeld des Fußball-Bundesligisten Sturm Graz fortgesetzt worden. Von Stronach wollte das Gericht wissen, ob die Million Euro, die er dem Verein 2004 zukommen ließ, ein Geschenk war. War es nicht, sagte Stronach aus - allerdings erst nach mehrmaligem Nachhaken des Richters.

Die Verhandlung begann mit leichter Verspätung, da einer der Angeklagten wegen des Schneetreibens nicht pünktlich erscheinen konnte. Ganz pünktlich war dagegen Frank Stronach, der als Beruf in aller Bescheidenheit "Werkzeugmacher" angab. Bei seiner Befragung ging es darum, ob jene Million Euro, die er 2004 Sturm zukommen hatte lassen, ein Geschenk oder ein Darlehen war - dies hätte Auswirkungen auf den Zeitpunkt der Zahlungsunfähigkeit des Vereins.

"Sport für mich immer großes Anliegen"
Stronach gab an, er kenne Ex-Sturm-Präsident Kartnig zwar gut, "ich kann aber nicht sagen, dass es eine tiefe Freundschaft war". Sturm habe er geholfen, weil "Sport für mich immer schon ein großes Anliegen war". Zwei Prozent seines Profits seien für "Sozialprojekte" reserviert, wozu er offenbar auch die Sportförderung zählt. 

Mit dem Geld habe er helfen wollen, "dass Sturm nicht in Konkurs geht". "Haben Sie gewusst, dass Sturm vor dem Konkurs steht?", hakte Richter Karl Buchgraber sofort ein. "Alle Vereine stehen vor dem Konkurs", blieb der Zeuge eher allgemein.

"War die Million jetzt ein Geschenk oder nicht?", wollte es der Richter schließlich konkret wissen. "Es war eine Zahlung, das Hauptmotiv war nicht, damit Geld zu machen", antwortete Stronach einmal mehr ziemlich vage. "Also war es kein Geschenk?", fragte der Richter. "Nein, es hätte ja ein Wunder geschehen und Sturm in der Champions League spielen können, dann hätten wir das Geld zurückgefordert", so Stronach. 

"Gute Manager wollen sich absichern"
Auf die Frage, ob er er sich geschädigt fühle, meinte er: "Nein, eigentlich nicht." Warum er sich trotzdem mit seinen Forderungen beim Konkursverfahren angeschlossen hatte, konnte Stronach nicht genau sagen. "Gute Manager wollen sich absichern und ihr Geld zurückhaben", kam es einmal mehr eher allgemein vom Auto-Magnaten.

Im Vertrag war auch geregelt, dass Stronach für die Million Euro sechs Spieler von Sturm abziehen und zur Wiener Austria geben könne. Tatsächlich geschah das aber nur mit einem Spieler, nämlich Johannes Ertl. "War das Geld oder das Ziehungsrecht an die Person von Hannes Kartnig gebunden? Sollte es keine Rückforderungen geben, solange er Präsident ist?", interessierte Staatsanwalt Johannes Winklhofer. "So eine Zusage gab es nicht", erklärte Stronach.

Damit war der Auftritt von Frank Stronach im Grazer Gericht auch schon wieder beendet. Auf den Ersatz von Fahrtkosten verzichtete er: "Das Geld kann man dem Fußballverein spenden", meinte er. "Das darf ich nicht", meinte der Richter - und Stronach entschwand ins Blitzlichtgewitter vor dem Saal.

Rechte an sechs Sturm-Kickern blieben ein Thema
Nach Frank Stronach wurden noch weitere Zeugen befragt. Dabei handelte es sich in erster Linie um Vertreter des Vereins und um jene Personen, die für Stronach den Vertrag ausgearbeitet und unterzeichnet hatten. Dabei ging es immer wieder um die Frage, wie jener Punkt zu bewerten sei, dass Stronach jederzeit sechs Spieler aus dem Grazer Verein hätte abziehen können. Ob man, falls Sturm sehr gut gespielt hätte, einfach die besten Spieler herausnehmen und damit den Verein empfindlich schwächen hätte können. Das erboste einen der Verteidiger, der etwas von "Meisterschafts-Verfälschung" und "Betrug am Fußballvolk" verlauten ließ.

Der Schöffensenat lehnte am Nachmittag fast alle Anträge, die das Verfahren weiter verzögert hätten, ab. Zugelassen wurden nur Verlesungen bestimmter Verträge und Protokolle. Abgelehnt wurden dagegen die Ladung weiterer Zeugen sowie die Zulassung eines Privatgutachtens. Auch die Ausweitung der Anklage um ein weiteres Betrugsfaktum in Hinblick auf den Vertrag mit Stronach wurde nicht zugelassen.

Wollen Anwälte Prozess um Wochen verlängern?
Am Abend gab es dann nach einem langen Verhandlungstag plötzlich wieder Zweifel daran, ob das Verfahren tatsächlich - wie geplant - noch diese Woche beendet werden kann. Denn die Verteidiger von Kartnig bestanden zwar nicht auf eine wörtliche Verlesung des Akts, wollen aber auch nicht ausdrücklich darauf verzichten. Sollte Mittwoch früh darüber keine Einigung erzielt werden, muss der gesamte, Dutzende Kartons umfassende Akt wörtlich verlesen werden. Das Urteil würde sich damit um Wochen verzögern. Fix ist, dass der Prozess am Mittwoch um 9 Uhr fortgesetzt wird.

Hannes Kartnig werden schwerer Betrug, grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen, betrügerische Krida sowie Steuerhinterziehung vorgeworfen.

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