Verarmte Eltern setzen Kind (12) auf Wiener Bahnhof aus

10.10.2012, 17:00
Verarmte Eltern setzen Kind (12) auf Wiener Bahnhof aus (Bild: Andi Schiel)
Foto: Andi Schiel
Wie herzlos können Eltern sein, dass sie ihr Kind auf einem Bahnhof zurücklassen, weil sie kein Geld mehr für sein Zugticket haben? Die Polizei hat in Wien einen zwölfjährigen Buben aus Syrien aufgefunden, dem genau das passiert ist. Seine Mutter hatte ihm auf dem Bahnsteig erklärt: "Nun bist du auf dich allein gestellt."

Hängende Schultern, glasige Augen vom Weinen, verängstigter Blick: Beamte der Wiener Polizei wurden auf den zwölfjährigen Shiar M. aufmerksam, der mutterseelenalleine und völlig verschreckt auf dem Wiener Westbahnhof herumirrte. Wie sich später herausstellte, hatten ihn seine Mama und sein Papa auf dem Bahnsteig zurückgelassen, weil ihnen das nötige Geld für ein weiteres Fahrticket fehlte.

So waren sie nur mit Shiars älterem Bruder und seiner kleinen Schwester in den Zug gestiegen, ließen sich von ihrem offensichtlich lästig gewordenen Sohn sogar noch die Koffer hineinheben - und fuhren dann ohne ihn ab.

"Für Horror- Summe von 16.000 Euro eingeschleust"

Doch wie bringen es Eltern übers Herz, eines ihrer Kinder in einem fremden Land seinem Schicksal zu überlassen? Die Vorgeschichte dieses menschlichen Dramas: Im Sommer beschließt die fünfköpfige Familie, Syrien den Rücken zu kehren und ihr Glück in Europa zu suchen. Mutter und Vater verkaufen das Haus, die Möbel, ihre Schafe und Ziegen und lassen sich dann auf einen Deal mit Schleppern ein.

Norbert Ceipek (im Bild oben) von der "Drehscheibe Augarten" - er kümmert sich derzeit um den traumatisierten Shiar - erklärt: "Für eine Horror- Summe - bis zu 16.000 Euro pro Person - schleusten die Kriminellen den Buben und seine Angehörigen über die Türkei, Griechenland und Serbien nach Österreich." Da die Familie Bekannte in Berlin hat, wollte sie ab Wien unbedingt ihre Reise fortsetzen. Sie opferten dafür sogar ihr eigen Fleisch und Blut...

Brigitte Blabsreiter, Kronen Zeitung/red
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