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Über 50 Tote bei Indio-Protesten

07.06.2009, 12:15
Über 50 Tote bei Indio-Protesten (Bild: EPA)
Foto: EPA
Bei den schwersten Auseinandersetzungen seit Jahren zwischen der peruanischen Polizei und demonstrierenden Indios sind bis Sonntag nach unterschiedlichen Angaben bis zu 53 Menschen getötet worden. Weitere 179 Menschen - 155 Indios und 24 Polizisten - seien verletzt worden, sagte Ministerpräsident Yehude Simon. Der seit fast zwei Monaten andauernde und bisher weitgehend friedliche Protest von Amazonas- Indios und Kleinbauern, der sich vor allem gegen die Erdölförderung auf ihrem Land richtet, war am Freitag schlagartig eskaliert.

Der Anführer der Indio- Rebellion, Alberto Pizango, wurde unterdessen wie andere führende Köpfe der Indio- Bewegung zur Festnahme ausgeschrieben. Unbestätigten Angaben zufolge flüchtete Pizango nach Bolivien. Die Behörden verhängten nach einem Bericht des britischen Senders BBC eine Ausgangssperre und nahmen nach eigenen Angaben 72 Verdächtige fest.

Kriegsähnliche Zustände

Polizeieinheiten mit Schnellfeuergewehren waren am Freitag mit Unterstützung von Hubschraubern gegen eine Straßenblockade in der Nähe der Stadt Bagua im Norden des Landes vorgegangen. Bei dem Einsatz auf dem als "Curva del Diablo" (Teufelskurve) bekannten Streckenabschnitt starben nach Angaben der Regierung drei Demonstranten und elf Polizisten. Weitere drei Beamte seien später ihren Verletzungen erlegen. Sprecher der Indios klagten jedoch, die Polizei habe mindestens 30 Zivilisten erschossen. Sie sprachen von "Völkermord".

Nach Angaben der Regierung von Präsident Alan Garcia, für die es zunächst keine unabhängige Bestätigung gab, töteten Indios am Samstag zudem neun von insgesamt 38 verschleppten Polizisten, die mit dem Schutz einer Ölfördereinrichtung beauftragt waren. Etwa 1.500 Indios hätten die Anlage angegriffen und die Beamten überwältigt. 25 Beamte hätten gerettet werden können, davon einer schwer verletzt, sagte Verteidigungsminister Antero Flores Araoz. Bei den verbleibenden vier Polizisten bestehe die Hoffnung, dass sie lebend entkommen seien.

Polizisten gehen brutal vor

Die Sicherheitskräfte gehen in der Amazonasregion etwa 1.000 Kilometer nördlich von der Hauptstadt Lima offenbar sehr brutal vor. So berichtete etwa der nationale Radiosender CNR unter Berufung auf den lokalen Radiosender "La Voz", Polizisten seien in der Stadt Utcubamba in Krankenhäuser eingedrungen. Sie hätten verletzte Indios herausgeschleppt und seien mit ihnen mit unbekanntem Ziel davon gefahren. Vor den Krankenhäusern wartende Angehörige seien mit Schüssen verjagt worden. Zudem sei eine Demonstration auf dem zentralen Platz der Stadt von einem Hubschrauber aus unter Beschuss genommen worden. Dabei seien zwei Menschen getötet und vier Kinder verletzt worden.

Indios wehren sich "Verletzung ihrer Rechte"

Die zunehmend selbstbewusster auftretenden Ureinwohner und Kleinbauern der peruanischen Amazonasregionen wehren sich gegen Regierungsdekrete, mit denen Bestimmungen eines neuen Freihandelsabkommens mit den USA durchgesetzt werden sollen. Nach Ansicht der Indios verletzen diese Bestimmungen ihre angestammten Rechte an Grund und Boden und bedrohen ihre Lebensgrundlagen. Dabei geht es vor allem um die Erdöl- und Erdgasförderung durch ausländische Konzerne.

Angst vor ungenießbarem Wasser

Abschreckendes Beispiel ist das nördliche Nachbarland Ecuador, in dessen Amazonasregionen seit Jahrzehnten Erdöl gefördert wird. Dort kommt es immer wieder zu Havarien, bei denen Rohöl in den Urwald und in die Flüsse gelangt. Das Flusswasser wird ungenießbar und die Fische sterben. Den Argumenten der Regierung, dass alles streng überwacht werde und das Erdöl auch den Ureinwohnern mehr Wohlstand verschaffen werde, schenken die Menschen in Peru keinen Glauben.

Betroffen von den Demonstrationen sind die Provinzen Amazonas, Cusco, Loreto, San Martín und Ucayali. Dort kommt es wegen der Straßenblockaden bereits zu Versorgungsengpässen. Unterdessen geriet Präsident Alan García unter den Druck der gesamten Opposition von links bis rechts des politischen Spektrums. Ministerpräsident Yehude Simon solle zurücktreten, und Innenministerin Mercedes Cabanillas sei eine Erklärung für das gewaltsame Vorgehen der Polizei schuldig.

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