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USA: Weiter Wirbel um geplante Koran-Verbrennung

08.09.2010, 12:58
Video: apa
Die US- Regierung ist empört über die geplante öffentliche Koran- Verbrennung durch eine kleine radikale Kirchengemeinde in Florida. US- Außenministerin Hillary Clinton kritisierte das Vorhaben, das am neunten Jahrestag der Anschläge auf das New Yorker World Trade Center am 11. September 2001 stattfinden soll, scharf als "schändlich". Der Pastor der Religionsgemeinschaft, Terry Jones (Bild), hingegen will bei seinem Vorhaben bleiben und erklärte: "Wir müssen eine klare Botschaft an den radikalen Islam senden."

Das evangelikale "Dove World Outreach Center" in der 120.000- Einwohner- Stadt Gainesville hat den 11. September zum "Internationalen Tag der Koran- Verbrennung" erklärt. Es wolle der Opfer der Terroranschläge vor neun Jahren gedenken und dem radikalen Islam eine klare Absage erteilen, sagte Pastor Jones. "Der Islam ist eine schlechte Religion. Der Koran ist für den 11. September verantwortlich."

Clinton: "Respektloser, schändlicher Akt"

Anlässlich eines Fastenbrechens im islamischen Monat Ramadan am Dienstagabend in Washington sagte Außenministerin Clinton: "Ich fühle mich ermutigt von der klaren, unmissverständlichen Verurteilung dieses respektlosen, schändlichen Akts durch führende Vertreter aller Glaubensrichtungen in den USA". Muslimische, christliche und jüdische Vertreter hatten zuvor gemeint, es handle sich um ein "besonders ungeheuerliches" Vorhaben. Zugleich forderten sie religiöse Toleranz in den USA.

Der Sprecher des US- Außenministeriums, Philip Crowley, nannte die geplante Aktion "eine Provokation". Es zeige Respektlosigkeit gegenüber einer Religion. Er hoffe, dass die Gruppe von ihrem Plan doch noch abrückt. Zugleich betont Crowley, dass es sich um eine extrem kleine Religionsgemeinschaft handle. Die Welt dürfe Amerika "nicht an der Aktion eines Pastors oder 50 Anhängern" messen. Crowley fügte hinzu, dass die Stadtverwaltung die Aktion verboten habe - doch es sei unklar, ob sich die Kirchengemeinde daran halten werde.

Justizminister Eric Holder erklärte, sollte die evangelikale Splittergruppe ihr Vorhaben umsetzen, sei das "idiotisch und gefährlich". Eine Vereinigung von US- Veteranen sprach von einem Plan "religiöser Extremisten". "Nichts wird gewonnen, aber alles kann verloren werden durch diese egoistische Tat", sagte Richard Eubank, Chef der Gruppe VFW, die rund 1,5 Millionen Mitglieder hat.

Petraeus: "Ihr spielt den Taliban in die Hände"

Auch der Kommandant der US- Truppen in Afghanistan, David Petraeus, warnte vor der Aktion. In einem an US- Redaktionen versendeten offenen Brief erklärte er, die Aktion würde der Propaganda der Taliban in die Hände spielen und könne "schwerwiegende Probleme" hervorrufen - und das nicht nur in Afghanistan, wo unnötig Leben von Soldaten und Zivilisten gefährdet würden.

Petraeus verglich die Folgen mit den Veröffentlichungen der Misshandlungsbilder aus dem US- Gefängnis Abu Graib im Irak, die in vielen arabischen Ländern brennende US- Flaggen zur Folge hatten. "Schon allein die Gerüchte über eine solche Aktion rufen Proteste hervor. Es gab deswegen erst gestern Ausschreitungen in Kabul." Demonstranten skandierten dort u.a. "Tod den USA". Er sei "tief besorgt" über derartige Versuche, andere Religionen auf solche Art und Weise anzugreifen und vorsätzlich provozieren zu wollen.

Pastor Jones nannte die Sorgen von Petraeus zwar durchaus berechtigt - er wolle die Verbrennung aber trotzdem nicht absagen: "Wir müssen eine klare Botschaft an den radikalen Islam senden, dass wir seine Drohungen und die Verbreitung von Angst hier bei uns in Amerika nicht tolerieren."

Polizei darf im Fall der Fälle niemanden verhaften

Die örtliche Feuerwehr hat die Aktion zwar nicht genehmigt, die Polizei kann aber nicht eingreifen, bevor die Demonstranten zur Tat schreiten. Auch dann können die Beamten lediglich Verwarnungen und Strafen wegen einer Ordnungswidrigkeit erteilen, aber niemanden festnehmen.

Der Koran ist die heilige Schrift der Muslime, die verlangen, dass es mit höchstem Respekt behandelt wird. Verstöße werden als zutiefst beleidigend empfunden und haben in der Vergangenheit wiederholt gewalttätige Reaktionen ausgelöst. Im Jahr 2005 reichte eine Coverstory des Nachrichtenmagazins "Newsweek", in der geschildert wurde, wie US- Soldaten im Militärgefängnis von Guantanamo vor den Augen der Häftlinge Seiten aus dem Koran die Toilette hinunterspülten, um blutige Proteste in Kabul auszulösen. 15 Menschen starben damals.

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