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14.01.2010, 18:26
Tirol: Schweine-Experiment vorerst gestoppt
Tirol: Schweine-Experiment vorerst gestoppt (Bild: APA/Stiplovsek)
Das Lawinenexperiment im Tiroler Ötztal, das am Donnerstag die Gemüter erhitzte, ist am späten Nachmittag aus Angst vor Protesten vorerst abgebrochen worden. Für zehn Schweine war das allerdings bereits zu spät. Die Wissenschaftler hoffen auf eine Fortsetzung des Projekts. "Aus tier-ethischer Sicht wäre es unsinnig, den Versuch abzubrechen", sagte Hermann Brugger vom Projektteam, "weil ansonst die Tiere umsonst gestorben wären."

Bei dem Experiment mit 29 lebenden Schweinen hätte der Tod von Menschen unter den Schneemassen simuliert werden sollen. Bevor man die Schlachtschweine eingräbt, werden sie mit einer sogenannten "chemischen Brille" ruhig gestellt. Manche Schweine werden dann vollständig unter den Schneemassen begraben und bei ihrem Erstickungstod von den Forschern beobachtet.

Andere Tiere gräbt man bis zum Kopf im Schnee ein und lässt sie dort erfrieren - auch dabei wird der Tod der Tiere minutiös dokumentiert. Die ganze Zeit über hängen die Tiere an medizinischen Überwachungsgeräten.

"Mit diesem Versuch werden Menschenleben gerettet"

Herbert Lochs, Rektor der Innsbrucker Meduni, erklärte am Donnerstagnachmittag gegenüber der "Krone", dass der Versuch bereits vor einem Jahr von der Ethikkommission für Tierversuche im Wissenschaftsministerium genehmigt worden war. Mit dem Projekt will man herausfinden, was bei Lawinenopfern im Organismus passiert. Die Versuche zielen darauf ab, den Einfluss der Atemhöhle auf Sauerstoffmangel und Kohlendioxidgehalt in der Atemluft zu bestimmen und so einen effektiven Parameter für die Überlebenschance der Opfer zu bekommen.

"Mit diesem Versuch werden Menschenleben gerettet", so Projektleiter Hermann Brugger. "Da der Luftdruck in großer Höhe in einem Labor nicht simuliert werden kann, bietet die Nachstellung der Verschüttung eine aussagekräftige und für Patienten direkt verwertbare Lösung", unterstreicht Notfallmediziner Wenzel. "In der dramatischen Situation nach einer Bergung könnten Notärzte somit besser beurteilen, ob und für welche Opfer reelle Überlebenschancen bestehen und wie die Mediziner vor Ort am besten vorgehen."

"Die Wissenschaftler sollen sich selbst eingraben!"

Der grausam anmutende Tierversuch ruft trotz allem viele Proteststimmen hervor. Fast alle österreichischen Tierschutzvereine sprechen von einem Skandal. Demonstranten haben einen Aufmarsch in Vent angekündigt. Sie wollen radikale Protestaktionen setzen. Was genau, wollten sie aber nicht verraten: "Wir wollen das Überraschungsmoment für uns", hieß es von den "Vier Pfoten".

"Die Wissenschaftler sollen sich selbst eingraben, ihre Kollegen dürfen dann die Ergebnisse auswerten", war der Vorschlag des Österreichischen Tierschutzvereins am Donnerstag. Schweine in einer Lawine zu begraben, damit sie darin sterben, sei "einer der widerwärtigsten Tierversuche, der jemals in Österreich durchgeführt wurde". Die Tiere würden "nur ruhig gestellt und müssten das Grauen von Anfang bis zum Schluss miterleben". Dieser "unsinnige Versuch" diene "einzig und allein der Profilierung einiger Wissenschaftler".

Madeleine Petrovic, Präsidentin des Tierschutzvereins, ist erzürnt: "Ich frage mich, welche wissenschaftlichen Annahmen diese Barbarei zugrunde liegen. Da werden ohne Not leidensfähige Lebewesen einfach verscharrt und dem Erstickungstod ausgesetzt. Das mangelnde Gefühl mancher Wissenschaftler, was ethisch vertretbar ist und was nicht, bestürzt mich. Diese Versuche sind ein Schlag ins Gesicht für jeden seriösen Zugang zur Wissenschaft. Wir kritisieren zu Recht den wissenschaftlich völlig wertlosen Walfang der Japaner, lassen aber dann diesen grausamen Unfug mit Schweinen zu."

Politik distanziert sich und fordert Abbruch

Der Tierschutzreferent der Tiroler Landesregierung, Landeshauptmann-Stellvertreter Anton Steixner, ist ob dieser sonderbaren Methoden der Universität Innsbruck überrascht. "Schweine lebendig unter Schneemassen zu begraben, ist moralisch äußerst bedenklich", stellt er klar. "Man muss sich hier die Frage stellen, ob wissenschaftliche Erkenntnisse ein derartiges Vorgehen rechtfertigen." Zudem kritisiert er die Vorgehensweise der Zuständigen: Er als Landes-Tierschutzreferent wurde nicht informiert. Das Wissenschaftsministerium äußerte sich nicht.

Auch die Grünen sind empört: "Es ist mit nichts zu rechtfertigen, Tiere bei lebendigem Leib zu vergraben und jämmerlich erfrieren zu lassen", so die Grüne Naturschutzsprecherin Maria Scheiber entsetzt. Sie fordert den sofortigen Abbruch der Versuche. Auch im Dienste der Wissenschaft könne nicht alles erlaubt sein.

von Matthias Holzmann (Tiroler Krone), Manuel Diwosch und Christoph Rauth (tirol.krone.at)

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