Auf dem dritten Platz in der Wählergunst landete der linke Kandidat Grzegorz Napieralski mit 13,68 Prozent. Von seinen Anhängern dürfte die Entscheidung in der Stichwahl abhängen. Weil keiner der Bewerber die absolute Mehrheit erreicht hat, kommt es am 4. Juli zur Stichwahl zwischen den beiden Erstplatzierten.
30 Millionen Polen waren am Sonntag aufgerufen, einen Nachfolger für den am 10. April beim Flugzeugunglück von Smolensk verstorbenen Präsidenten Lech Kaczynski zu wählen. Die Wahlbeteiligung lag bei 55 Prozent. Um das höchste Staatsamt bewarben sich insgesamt zehn Kandidaten. Der wahre Kampf hat sich aber von vornherein nur zwischen dem Parlamentspräsidenten Bronislaw Komorowski aus der rechtsliberalen Regierungspartei PO und Lech Kaczynskis Zwillingsbruder abgespielt.
Der 58- jährige Komorowski, der seit dem Tod des Staatsoberhauptes die Pflichten des Präsidenten interimistisch erfüllt, galt in den Umfragen als Favorit. Ende März, noch vor dem Flugzeugunglück, setzte er sich in einer innerparteilichen Vorwahl gegen Außenminister Radoslaw Sikorski durch. Der Ministerpräsident und PO- Chef Donald Tusk, der jahrelang als sicherer Präsidentschaftskandidat seiner Partei gegolten hatte, hatte zuvor auf eine Kandidatur verzichtet.
Bei der Wahl musste Komorowski dem charismatischen Anführer der Konservativen die Stirn bieten. Der 61- jährige Jaroslaw Kaczynski bemühte sich seit dem Flugzeugunglück mit Erfolg um einen Imagewandel. Im Wahlkampf deutete er an, dass ihn das Unglück besonnener und versöhnlicher gemacht habe. Während der Hochwasserkatastrophe, die Polen Anfang Mai wochenlang gequält hatte, rief er immer wieder zu Solidarität und Einigkeit auf. Selbst über Deutschland und Russland äußerte er sich bewusst wohlwollend. Seine Gegner warfen ihm vor, diese Wandlung aus Kalkül nur vorzutäuschen.