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23.04.2014 - 23:39

Stadttheater- Premiere von Verdis "Il Trovatore"

31.10.2010, 10:12
Stadttheater-Premiere von Verdis "Il Trovatore" (Bild: Helge Bauer)
Foto: Helge Bauer
Ein gerundeter, gotischer Raum, vielleicht der einer Kirche - schmucklos, majestätisch und erhaben nach oben strebend. Für Giuseppe Verdis "Troubadour" ist er Altar der Liebe, Schlachtfeld der Gefühle, und Totenhalle der Liebesopfer. Doch nicht nur dem Bühnenbild von Reinis Suhanovs verdankt der Opernklassiker seine stimmige Visualisierung. Dass die Kooperation mit dem Kroatischen Nationaltheater Zagreb auch auf anderen Ebenen zu überzeugen vermag, bewies die Stadttheater- Premiere am Samstag in Klagenfurt.

Im Kino der großen Gefühle, das Regisseur Andrejs Žagars durchaus passend, wenn auch ein wenig abgegriffen auf den Kriegsschauplatz Balkan verlegt, kommt der tödliche Bruderzwist ganz ohne politische Statements aus, was die brennende Frage aufwirft, warum man Soldaten in voller Montur mit "Nachbar in Not"- Paketen auf die Bühne stellt, wenn sie dann doch nur eine alte Geschichte erzählen.

Die hat, zumindest was den emotionalen Zündstoff anbelangt, nichts an Sprengkraft verloren und fährt bis zum bitteren Ende das volle Programm: Liebe, Hass, Wut, Angst, Verzweiflung, Mord und Totschlag - dazwischen eine verbrannte Zigeunerin, die gerächt werden will, ihre Tochter, die das eigene Kind tötet und den Sohn des Grafen raubt und aufzieht, und der ältere Bruder, der ihm als erbitterter Feind im Kampf um Leonora gegenüberstehen wird…

Ein Loblied der tollen Stimmen

Das ist (auch heute noch) der Stoff, aus dem die Gänsehaut ist. Letztere huscht im Verlauf des zweieinhalbstündigen Abends dann auch des Öfteren über die Haut. Und das liegt hauptsächlich an den Stimmen, die "Il Trovatore" im wahrsten Wortsinn ein Loblied singen. Allen voran "Azucena" Bernadett Wiedemann, deren grandioser "Mezzo" als farbenprächtige "Urgewalt" selbst die volle Orchesterwucht mühelos übersteigt, ohne einen Funken an Strahlkraft zu verlieren.

Dass sie dabei auch noch als hervorragende Schauspielerin glänzt, die der rächenden Zigeunerin und liebenden Mutter genau das richtige Maß an Gefühlen verleiht, fällt eindeutig unter die Rubrik: Gesamtkunstwerk. Mit der Überdosis Gift für den finalen Liebestod hat "Leonora" Dinara Alieva ein gutes Händchen. Mit der Überdosis G'fühl für die Handlung dazwischen leider weniger: Spätestens nach dem zehnten Haareraufen und Händeringen wird die große Geste zur überkandidelten Aufdringlichkeit, die auch der klare, schöne Sopran nicht überdecken kann.

Kärntner Sinfonieorchester wird zu Herzeigeorchester

Francesco Landolfi überzeugt als von Eifersucht zerfressener Graf von Luna mit leicht abgedunkeltem, edlem Bariton, Gaston Rivero ist als Troubadour Manrico ein prachtvoller Heldentenor ohne Schwächen und Makel. Dass sich das Kärntner Sinfonieorchester unter dem "Feinschliff" von Peter Marschik immer mehr zum Herzeigeorchester mausert, bewies es auch an diesem heftig beklatschen Abend mit dem richtigen Verdi- Feeling. Und was die heutigen, ultrarealistischen und damit erzkonservativen Kostüme Kristine Pasternakas anbelangt, hätte sich zumindest die Rezensentin etwas mehr vom Stoff gewünscht, aus dem die Zukunft (gewebt) ist…

von Irina Lino, "Kärntner Krone"

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