21 Tote

Selbstmord-Attentat auf ägyptische Christen

Ausland
01.01.2011 13:17
Ein Selbstmordattentäter hat sich in der Silvesternacht vor einer großen koptischen Kirche in Alexandria in die Luft gesprengt und dabei mindestens 21 Gläubige mit in den Tod gerissen. Mindestens 43 weitere Menschen wurden nach Angaben aus dem ägyptischen Gesundheitsministerium verletzt. Unter ihnen seien auch muslimische Passanten gewesen. Die Bombe entfaltete ihre verheerende Wirkung, als die Kirchgänger aus der Mitternachtsmesse in der St.-Markus- und Petri-Kirche im Stadtteil Sidi Beshr strömten.

Die Terroristen schlugen etwa eine halbe Stunde nach Mitternacht zu, als die Neujahrsmesse der koptischen Christen zu Ende ging. In ersten Berichten hatte es geheißen, der Sprengsatz in einem Auto vor der Kirche sei aus der Entfernung gezündet worden. Am Samstagvormittag teilte das ägyptische Innenministerium in Kairo jedoch mit, dass ein im Fahrzeug sitzender Selbstmordattentäter den Anschlag verübt habe. Die Terroristen hätten etwa 100 Kilogramm Sprengstoff benutzt, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen.

Zu der Tat bekannte sich niemand. Ohne nähere Erläuterung beschuldigte die Behörde "ausländische Elemente" als Drahtzieher und Ausführende der Bluttat. Der Gouverneur von Alexandria, Adel Labib, gab dem Terrornetzwerk Al-Kaida die Schuld an der Tat. Tatsächlich hatte kürzlich eine Gruppe mit Verbindungen zur Al-Kaida im Irak den Christen im ganzen Nahen Osten mit Anschlägen gedroht. Muslime in Ägypten warfen der koptischen Kirche vor, zwei Frauen festzuhalten, die zum Islam übertreten wollten, um ihre Ehen scheiden lassen zu können. Die Kirche erklärte, die Frauen würden nicht gegen ihren Willen festgehalten.

Explosion vor der Kirche
Fast 1.000 Menschen hätten an der Messe teilgenommen, sagte der koptische Priester Mena Adel. Nach dem Gottesdienst seien die Besucher auf die Straße geströmt. "Ich war drinnen und habe eine starke Explosion gehört", sagte der Geistliche. "Menschen standen in Flammen." Augenzeugen berichteten, vor der Kirche seien Leichen gelegen, zahlreiche Menschen seien verletzt worden. "Das letzte, was ich gehört habe, war eine starke Explosion und dann wurden meine Ohren taub", sagte ein 17-jähriger Kirchgänger, Marco Boutros, per Telefon aus dem Krankenhaus. "Ich konnte überall Körperteile sehen".

Wütende Christen bewarfen nach dem Anschlag eine Moschee in der Nähe mit Steinen. Sie lieferten sich nach Angaben der Polizei und von Augenzeugen Straßenkämpfe mit den Sicherheitskräften und stürmten die Moschee. Die Polizei trieb die Menge auseinander. Durch die Explosion wurden das christliche Gotteshaus sowie die Moschee beschädigt.

Päsident ruft Ägypter zum Kampf gegen Terrorismus auf
Präsident Hosni Mubarak rief alle Ägypter, ob Christen oder Muslime, auf, gegen die "Kräfte des Terrorismus" Geschlossenheit zu demonstrieren. Alle Ägypter sollten sich gegen jene wenden, die die Sicherheit des Landes, seine Stabilität und die Einheit der Bürger bedrohten, erklärte Mubarak laut amtlicher Nachrichtenagentur Mena. Papst Benedikt XVI. forderte die Regierungen weltweit dazu auf, Christen in ihrem Land besser zu schützen.

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle zeigte sich bestürzt über den Anschlag und erklärte: "Ich verurteile diesen Akt der Brutalität gegen Menschen, die bei einer Messe friedlich das neue Jahr begehen wollten, auf das Schärfste." Auch die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich verurteilte die Tat. Sie appellierte an die Regierung in Ägypten, alles in ihrer Macht stehende zu unternehmen, das Attentat lückenlos aufzuklären, die Hintermänner dingfest zu machen und aufs Schärfste zu bestrafen. "Ägypten muss ein ähnliches Schicksal wie dem Irak erspart werden." Gleichzeitig müssten aber auch von Seiten der Religionsgemeinschaften und der Zivilgesellschaft aktive Schritte gesetzt werden, um zu zeigen, dass sich Muslime und Christen nicht gegeneinander aufhetzen lassen.

Immer wieder Anschläge gegen Christen
Christen, die meisten von ihnen orthodoxe Kopten, machten etwa zehn Prozent der 80 Millionen Einwohner im überwiegend muslimischen Ägypten aus. Sie klagen immer wieder über Diskriminierung. Gelegentlich kommt es auch zu Anschlägen. So wurden im Jänner 2009 sieben Christen vor einer Kirche in Südägypten aus einem fahrenden Auto heraus erschossen. Die gleiche Kirche in Alexandria geriet bereits 2006 in die Schlagzeilen, nachdem ein Messerstecher Gottesdienstbesucher angegriffen hatte.

Bei einer Geiselnahme in einer Kirche der irakischen Hauptstadt Bagdad und einer anschließenden Befreiungsaktion waren Ende Oktober 44 Gläubige, zwei Priester sowie sieben Sicherheitskräfte ums Leben gekommen. Zu dem Angriff bekannte sich eine der Al Kaida nahestehende Gruppierung, die mit weiteren Gewalttaten gegen koptische Christen drohte, insbesondere in Ägypten.

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