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Reaktionen auf Kohls positive Dopingprobe

16.10.2008, 11:56
Reaktionen auf Kohls positive Dopingprobe
Die positive Dopingprobe und die anschließende "Beichte" des Tour- de- France- Dritten Bernhard Kohl hat eine Welle der Bestürzung ausgelöst. Hier liest du die wichtigsten Reaktionen auf die Vorfälle.

Reaktionen auf Kohls Geständnis

Rudolf Massak (Generalsekretär ÖRV):

"Der Schaden für den Radsport ist immens, viel größer als Kohls persönlicher Schaden. Ich glaube, dass sein Geständnis der richtige Schritt war, und ich würde mir wünschen, dass er sich durchringen kann, Hintermänner zu nennen. Wenn er sich dann als Galionsfigur für unser Projekt des 'Gläsernen Athleten' zur Verfügung stellt, könnte das teilweise zur Rehabilitierung seines Rufes beitragen. Ich glaube nicht, dass es zu Schadenersatzforderungen vonseiten des Verbandes kommen wird."

Bernhard Eisel (Radprofi und Trainingspartner Kohls):

"Man muss Freundschaft und Geschäft trennen. Wenn er in der Öffentlichkeit oder im Radsport wieder Fuß fassen will, dann musste er gestehen. Für mich bleibt er der Berni Kohl. Er hat eine große Dummheit gemacht. Das ist ein Riesenrückschlag für den Radsport, in Österreich wird er sich von diesem Keulenschlag nicht so schnell erholen. Wie es für den Radsport enden wird, muss die Zukunft zeigen."

Peter Wrolich (Radprofi, Teamkollege von Kohl):

"Das Geständnis war ein sehr wichtiger Schritt, den ich ihm hoch anrechne. Der Radsportler Kohl ist tot, den wird es nicht mehr geben. Aber den Menschen Kohl werde ich sicher nicht fallen lassen, ich bin nicht verbittert, man muss verzeihen können. Er ist selber verantwortlich, aber man sollte Besitz und Weitergabe (von Dopingsubstanzen) noch stärker sanktionieren und mit Hilfe der Polizei versuchen, dem Thema Herr zu werden."

Erwin Pröll (Niederösterreichs Landeshauptmann):

"Ich bin gegen jede Menschenhatz. Kohl hat in einer schwierigen Zwangssituation einen Fehler gemacht und diesen eingestanden. Daher werde ich alles dazu tun, dass sich für Bernhard Kohl so rasch wie möglich ein neuer, korrekter Weg eröffnet." 

Reaktionen nach der positiven A- Probe

Holczer "glaubt keinem mehr"

Gerolsteiner- Manager Hans- Michael Holczer ist am Montagabend von seinem ehemaligen Schützling über dessen positiven Dopingbefund in Kenntnis gesetzt worden. "Er sagt, er kann sich das alles nicht erklären", sagte Holczer. Der Teamchef von Kohls Ex- Rennstall riet dem Österreicher, die Hintermännerdes CERA- Netzwerkes, zu dessen Kunden offenbar mehrere Stars im Peloton gezählt haben, offenzulegen. "Ich habe ihm gesagt, er soll offenlegen, wer dahintersteckt. Wo kommt das Ganze her? Er könnte damit einen großen Beitrag leisten - für den Radsport und für sich selbst", so Holczer und fügte hinzu: "Ich glaube niemandem mehr!".

Silence- Lotto- Teamchef wird "nötige Schritte setzen"

Der belgische Rennstall Silence- Lotto hat von der positiven A- Probe seines neuen Stars Bernhard Kohl am Montag aus den Medien erfahren. "Wir sind sehr enttäuscht, dass wir diesbezüglich vorher keine Nachricht bekommen haben", erklärte Teamchef Geert Coeman. "Wir haben leider auch noch nicht mit Bernhard gesprochen." Wenn das wirklich alles so ist und sich die Probe bestätigt, werden wir die nötigen Schritte setzen", versicherte Coeman. "Damit ist für uns auch unser Vertrag mit ihm hinfällig. Das ist ein ganz normaler Prozess", sagte Coeman weiter.

Österreichischer NADA- Chef "sehr enttäuscht"

"Ich bin zum einen sehr enttäuscht, dass er positiv getestet wurde, weil er wirklich eine fantastische Leistung bei der Tour de France erbrachte. Zum anderen bin ich aber glücklich, dass offensichtlich die Analyse so weit verbessert werden konnte, dass man mehr als erwartet nachweisen kann", erklärte der Chef der Nationalen Anti- Doping- Agentur, Andreas Schwab. "Selbstverständlich gilt für ihn jetzt noch die Unschuldsvermutung, bis der endgültige Beweis erbracht ist", so Schwab.

Lopatka: "Österreich verliert ein Idol"

Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka (ÖVP) zeigte sich in einer Aussendung bestürzt: "Die Meldung vom positiven Doping- Test Bernhard Kohls ist ein Schock für alle Sportbegeisterten. Es zeigt aber auch, dass das Anti- Doping- System immer besser funktioniert, und der Kampf gegen Doping erfolgreich sein kann. Für Bernhard Kohl gilt natürlich die Unschuldsvermutung, bis das entsprechende Verfahren vor der Rechtskommission der NADA Austria abgeschlossen sein wird. Aber das Signal an dopende Sportler ist klar: Der Abstand der Dopingjäger zu den Gedopten wird immer kleiner, das Kontroll- System immer erfolgreicher. Die Meldung ist ein Schock, weil Österreich mit einem Schlag ein Idol verliert."

Jungwirth: "Hoffe, er hat gewusst, was er genommen hat"

ÖOC- Generalsekretär Heinz Jungwirth tue es leid, dass es so gekommen ist. "Ich hoffe, er hat gewusst, was er genommen hat. Sie wissen, dass sie nichts nehmen dürfen, an der Information wird es daher nicht liegen. Ich weiß nicht, ob da Personen hinter ihnen stehen, die sie benutzen oder mit ihnen arbeiten. Jeder weiß, was passiert und müsste sagen, das nehme ich nicht", sagte Jungwirth.

Thomas Vanek: "Es ist schade!"

Vanek bedauerte den Dopingfall. "Es ist schade, wenn er was genommen hat. Er wäre auch meine persönliche Wahl zum Sportler des Jahres gewesen", erklärte Vanek in New York. Das Ergebnis der 60. Wahl der besten Sportler Österreichs des Jahres wird am 22. Oktober in der Event- Pyramide Vösendorf bekannt gegeben.

ÖRV fürchtet Folgen von Dopingfall Kohl

"Gerüchte hatte es schon während der WM Ende September in Varese gegeben, auch der Name Kohl sei gefallen. Jetzt hat der Tsunami auch Österreich erreicht "Wir können noch gar nicht abschätzen, was das bedeuten wird", sagte ÖRV- Generalsekretär Rudolf Massak. Auch Ursula Riha, die Direktorin der Österreich- Rundfahrt, meinte, dass sie noch nicht wisse, welche Konsequenzen der Fall Kohl haben werde. "Der Schock sitzt jedenfalls tief. Kohl hat einen Boom ausgelöst und jetzt fällt uns das alles auf den Kopf."

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