Widerstand pur

Pussy Riots: Putin soll mit Gnade “zum Teufel fahren”

Ausland
20.08.2012 15:59
Die drei wegen "Rowdytums aus religiösem Hass" zu jeweils zwei Jahren Straflager verurteilten Musikerinnen der russischen Punkband Pussy Riot denken gar nicht daran, Wladimir Putin um Gnade zu bitten. Der Präsident solle mit seiner Gnade "zum Teufel fahren", entgegneten die inhaftierten Damen auf einen entsprechen Vorschlag ihres Anwalts. Dieser gibt sich dennoch kämpferisch und kündigte an, gegen das Urteil zu berufen. Indes nimmt die russische Justiz zwei weitere Pussy-Riot-Mitglieder ins Visier.

"Mit dieser Gnade sollen sie zum Teufel fahren", hauten die Pussy Riots ihrem Verteidiger Nikolai Polosow um die Ohren, als dieser und sein Team es gewagt hatten, das widerspenstige Trio auf diese Möglichkeit anzusprechen. Wie berichtet, erwarten die Punk-Sängerinnen, die sich offen gegen den Kreml und Putin gerichtet hatten und nach einem Protestauftritt in einer Kirche des "Rowdytums aus religiösem Hass" schuldigt gesprochen wurden, jeweils zwei Jahre Straflager. Was ihnen dort blüht - siehe Story in der Infobox.

Ein Gnadengesuch der 22-jährigen Nadeschda Tolokonnikowa (Bild), der 24-jährigen Maria Alechina und der 30-jährigen Jekaterina Samuzewitsch hätte allerdings wohl ohnehin keine Chance auf Erfolg gehabt. Bereits kurz nach dem Urteil am Freitag hatte ein weiterer Verteidiger der Band, Mark Feigin, ein Gnadengesuch noch ausgeschlossen. Offenbar hatten sich die Rechtsvertreter nun aber doch überlegt, zumindest mal zu fragen.

Fahndung nach weiteren Bandmitgliedern
Die internationale Protestwelle, die das Urteil auslöste, ist nach wie vor ungebrochen. Putin lässt das jedoch kalt: Der Kreml wies die Empörung als "Hysterie" zurück und verbat sich Kritik am Prozess. "Man sollte vor dem Ende der Berufungsverhandlung keine Schlussfolgerungen ziehen", erklärte Außenminister Sergej Lawrow am Montag. Außerdem werde Gotteslästerung zum Beispiel auch in Deutschland kompromisslos bestraft.

Indes drohen nun zwei weiteren Mitgliedern von Pussy Riot ebenfalls Haftstrafen wegen "Rowdytums aus religiösem Hass". Die russische Justiz habe Aktivistinnen der Band zur Fahndung ausgeschrieben, hieß es am Montagnachmittag seitens der Behörden. Auch diese Frauen hätten seinerzeit am "Punk-Gebet" gegen Putin teilgenommen. Insgesamt waren fünf Frauen auf Videoaufnahmen von der Protestaktion zu sehen.

Kasparow und Madonna als Staatsfeinde
Das System der russischen Führung spricht somit eine deutliche Sprache. Unlängst war es der ehemalige Schachweltmeister Garri Kasparow - ein weltbekannter Mann -, der bei einer Solidaritätskundgebung für Pussy Riot festgenommen wurde. Er soll einem Polizisten ins Ohr gebissen und dann in "Gewahrsam" die Rechnung dafür kassiert haben. Neben den Misshandlungen, die er nach eigenen Angaben dort ertragen musste, drohen dem führenden Oppositionellen nun gar fünf Jahre Haft (siehe Infobox).

Ein weiterer prominenter Fall ist in Russland anhängig: Ein Gericht in St. Petersburg will demnächst über die Zulassung einer Klage gegen US-Pop-Königin Madonna befinden. Diese hatte bei einem Konzert in der Stadt für die Rechte Homosexueller geworben - ein öffentliches Eintreten für Schwule ist dort verboten. Zudem hatte sich Madonna bereits bei mehreren Auftritten solidarisch für Pussy Riot gezeigt - unter anderem auch in Moskau. Die dortigen Fans applaudierten, ein russisches Gericht würde das wohl nicht.

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