Der als Kasab bekanntgewordene Mann soll an den Anschlägen Ende November 2008 in der indischen Wirtschaftsmetropole beteiligt gewesen sein, bei denen mehr als 160 Menschen getötet worden. Dem 21- Jährigen werden von der Anklage unter anderem "kriegerische Handlungen" gegen Indien, Mord und Entführung vorgeworfen. Der pakistanische Staatsbürger beantragte am Donnerstag, sich sofort mit seinem neuen Rechtsbeistand treffen zu dürfen.
Kasab droht bei einer Verurteilung die Todesstrafe. Der mit Spannung erwartete Prozess gegen ihn war am Mittwoch gleich am ersten Prozesstag vertagt worden, nachdem das Gericht der bisherigen Verteidigerin Anjali Waghmare das Mandat entzog. Sie steht im Verdacht, Kontakt zu einem möglichen Zeugen der Anklage zu haben. Kasab hatte daraufhin beantragt, einen Anwalt aus Pakistan zu bekommen. Dies lehnte der Richter aber ab.
Vor Beginn der Verhandlung vor einem Sondergericht erhöhte die Polizei noch einmal die Sicherheitsvorkehrungen in Bombay. Die "Times of India" berichtete, in der Umgebung des Arthur- Road- Gefängnisses, in dem auch das Verfahren stattfinden soll, sei der Verkehr eingeschränkt worden. Der Prozess sollte bereits Anfang April beginnen. Baumaßnahmen für das Sondergericht und gewalttätige Proteste von Hindu- Extremisten gegen die vom Gericht gestellte Anwältin Kasabs verzögerten den Termin. Außer Kasab sollen zwei Inder vor Gericht erscheinen, denen vorgeworfen wird, die Terroristen unterstützt zu haben. Die Polizei hat ein 11.000 Seiten umfassendes Anklageprotokoll gegen insgesamt 38 Verdächtige erstellt.
Der Anklage zufolge haben Anführer der aus Pakistan heraus operierenden Gruppe Lashkar- e-Taiba (LeT/Armee der Reinen), Hafeez Sayyid, Fahim Ansari, Zaki- ur Rehman Lakhvi und Zarar Shah, die Angriffe geplant. Sie halten sich in Pakistan und dem pakistanischen Teil Kaschmirs auf und werden als "gesuchte Flüchtige" geführt. Die Terrorgruppe war über das Meer von der südpakistanischen Hafenstadt Karachi nach Bombay gekommen.
Die Terroranschläge haben die Beziehungen zwischen Indien und Pakistan schwer belastet. Die US- Regierung musste sich einschalten, um die Spannungen zu entschärfen. Neu- Delhi legte den Friedensprozess zwischen den beiden benachbarten Atommächten nach den Angriffen auf Eis. Indien wirft Islamabad immer wieder vor, islamistische Terroristen zu unterstützen oder zumindest zu dulden, die von Pakistan aus Ziele in Indien angreifen.