Umbruch in Führung

Polit-Manöver: Kim macht Unbekannten zu Neo-Armeechef

Ausland
17.07.2012 13:47
Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un baut seinen Machtapparat um: Nach der überraschenden Entmachtung von Armeechef Ri Yong Ho ist der General Hyon Yong Chol (Bild rechts) zum neuen Vize-Marschall ernannt worden. Der abgesetzte Ri galt als führende Person des Regimes, von seinem Nachfolger Hyon ist hingegen nur wenig bekannt.

Die nationale Verteidigungskommission des Landes und die zentrale Militärkommission der regierenden Arbeiterpartei habe Hyon Yong Chol den Titel eines Vize-Marschalls verliehen, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA am Dienstag in einer knappen Meldung. Der neue Vize-Marschall, über den im Ausland nur wenig bekannt ist, war im September 2010 zum General befördert worden. Hyon sei wohl Anfang 60 und habe eine Armee-Einheit zur Grenzverteidigung befehligt, berichtete die nationale südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap.

Nordkoreanische Staatsmedien hatten am Montag berichtet, der bisherige Armeechef Ri Yong Ho, der ebenfalls den Rang eines Vize-Marschalls hatte, sei wegen Krankheit aus allen seinen Ämtern entlassen worden. Ri war seit 2009 Generalstabschef sowie Vize-Chef der einflussreichen Militärkommission der Arbeiterpartei und Mitglied des Präsidiums des Politbüros. Nachfolger Hyon gehört dem Zentralkomitee der Arbeiterpartei an, nicht aber der Militärkommission.

Ri als "Opfer einer Säuberungsaktion"
Ri galt bis zu seiner überraschenden Entmachtung als Vertrauter des im Dezember gestorbenen Machthabers Kim Jong Il, aber auch von dessen Sohn und Nachfolger Kim Jong Un. Beobachter vermuten, dass der nordkoreanische Staatschef nach dem Tod seines Vaters Altkader durch neue Funktionäre ersetzt, um seine Machtbasis zu stärken. Der Experte Choi Jin Wook vom Institut für Nationale Vereinigung in Seoul hält es für wahrscheinlich, dass Ri "Opfer einer Säuberungsaktion" geworden ist.

Die nordkoreanische Armee ist mit 1,2 Millionen Soldaten eine der größten der Welt. Sie gewann in den 1990er-Jahren basierend auf der sogenannten Songun-Doktrin an Einfluss, was übersetzt "Die Armee zuerst" bedeutet. Die Doktrin räumt der Armee eine maßgebliche Stellung im Land ein und rechtfertigt, dass Unsummen für Verteidigung ausgegeben werden, während Millionen Nordkoreaner Hunger leiden.

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