Als "kleinsten gemeinsamen Nenner", nach dem die Regierungen gesucht hätten, bemängelte der Vizechef der EVP- Fraktion und ÖVP- Europaabgeordnete Othmar Karas (Bild) die Entscheidung.
Der Delegationsleiter der SPÖ im EU- Parlament, Jörg Leichtfried, freute sich zwar, dass mit Catherine Ashton eine Frau eine Spitzenposition in der EU bekleide, doch hätte er lieber den Luxemburger Jean- Claude Juncker als Ratspräsidenten gesehen als Herman Van Rompuy. Ashton habe sich in Großbritannien vehement für den Lissabon- Vertrag eingesetzt und ihre klare proeuropäische Haltung gezeigt. "Vielleicht gelingt es ihr auch, Großbritannien stärker an Europa zu binden."
Auf die Frage, wie er Ashtons fachliche Qualifikation beurteile, sagte der ÖVP- Delegationsleiter im EU- Parlament, Ernst Strasser: "Ich kommentiere das nicht. Ist das Kommentar genug?" Strasser und Karas begrüßten aber, dass "endlich eine Entscheidung" gefallen sei und die neue Kommission nun gebildet werden könne.
Der EU- Mandatar Hans- Peter Martin sprach von einem Armutszeugnis. Die EU sei in der eigenen Falle gefangen. Martin kritisierte den "abstoßenden Postenschacher". Eine Direktwahl durchs Volk oder zumindest durch das EU- Parlament wäre sinnvoller gewesen. Jedenfalls gebe es "wieder keine ausstrahlungskräftigen Gesichter mit Führungsqualitäten". Stattdessen würden nur blasse Hinterbänklertypen ins Scheinwerferlicht der ersten Reihen aufrücken.
Der FPÖ- Europaabgeordnete Andreas Mölzer ließ sich hämisch über Ashton und Van Rompuy aus. "Mutmaßungen, Ashton sei auserwählt worden, weil neben ihr Angela Merkel wie ein Playboy- Girl aussieht" seien ebenso zurückzuweisen wie Meinungen, "Van Rompuy sei Ratspräsident geworden, weil neben ihm Nicolas Sarkozy wie James Bond wirke".
Die Grüne EU- Abgeordnete Ulrike Lunacek sieht einen "verpatzten EU- Neustart" nach dem Lissabon- Vertrag. Die Regierungschefs hätten wieder einmal nur an ihre nationalen Interessen gedacht.
BZÖ- Obmann Josef Bucher sieht durch das "monatelange Gezerre" um EU- Spitzenposten das Ansehen der Europäischen Union massiv beschädigt. Dabei habe auch Österreich ein unwürdiges Schauspiel geliefert. Das BZÖ - bisher nicht im EU- Parlament vertreten - wird aufgrund des Lissabon- Vertrags mit einem Mandatar in die Straßburger Volksvertretung einziehen.