Nach harter Kritik

Ölpest: BP-Chef gibt Krisenmanagement ab

Ausland
19.06.2010 09:15
BP-Chef Tony Hayward hat das Krisenmanagement im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko abgegeben. Haywards Aufgabe übernehme ein anderer Vertreter des BP-Managements, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende des Mineralölkonzerns, Carl-Henric Svanberg, am Freitag. Die Abberufung Haywards erfolgte einen Tag nach seiner äußerst kritischen Anhörung im US-Kongress.

Das Krisenmanagement solle BP-Manager Robert Dudley übernehmen, so Svanberg. Hayward sei "direkt nach der Explosion dorthin gefahren und hat unsere Maßnahmen seither geleitet", sagte Svanberg. "Ich denke, jeder hat geglaubt, dass wir damit schneller fertig werden könnten und er dann wiederkommen könne", fügte der Aufsichtsratschef hinzu. Jetzt werde Hayward das Management der Ölpest an Dudley übergeben und "mehr zu Hause sein", sagte Svanberg dem britischen TV-Sender. 

Harte Kritik bei Anhörung vor US-Kongress
Am Donnerstag war BP-Chef Hayward in einer Anhörung vor dem US-Kongress äußerst scharf angegangen worden und hatte schwere Versäumnisse im Zusammenhang mit dem Ölunfall im Golf von Mexiko eingestanden. Dort war am 20. April eine Ölbohrinsel von BP explodiert und zwei Tage später gesunken. Seither strömen Millionen Liter von Öl ins Meer, das einzigartige Ökosystem an der Küste von mehreren US-Bundesstaaten und die umfangreiche Fischereiindustrie trugen schweren Schaden davon.

Hayward war bereits kritisiert worden, weil er die Folgen der Katastrophe zunächst heruntergespielt und geklagt hatte, er wolle "sein altes Leben wiederhaben". Bei der Bohrinsel-Explosion waren elf Arbeiter ums Leben gekommen, deren Angehörige auf diese Äußerungen empört reagierten. US-Präsident Barack Obama hatte in der vergangenen Woche gesagt, er hätte Hayward "längst gefeuert".

Unternehmen Anadarko sieht Schuld allein bei BP
Auch das an der havarierten Ölquelle beteiligte US-Unternehmen Anadarko Petroleum Corp hat sich der scharfen Kritik an BP angeschlossen. Das Handeln von BP vor der Explosion sei leichtfertig gewesen und könne als grobe Fahrlässigkeit oder vorsätzliches Fehlverhalten betrachtet werden, sagte Anadarko-Chef James Hackett am Freitag. Diese Einschätzung habe auch Einfluss auf die Verpflichtungen der Teilhaber der Ölquelle.

BP, das zu 65 Prozent an der Ölquelle beteiligt ist und die Förderung betrieb, wies die Vorwürfe vehement zurück. In einer Erklärung verwies der Konzern darauf, dass alle Teilhaber die Kosten der Ölförderung einschließlich der Reinigungskosten nach einer Ölpest tragen müssten. Anadarko ist zu 25 Prozent an der Ölquelle beteiligt, das japanische Unternehmen Mitsui & Co. zu zehn Prozent. Es ist laut BP üblich, dass Ölförderunternehmen wegen der hohen Kosten andere Firmen an Ölquellen beteiligen. In der Regel geben diese Firmen Geld und werden später an den Verkaufserlösen beteiligt. BP vertritt die Ansicht, dass sie sich auch an den Risiken und damit an den Kosten der Ölpest beteiligen müssten.

Dem widersprach Anadarko-Chef Hackett. Es gebe immer mehr Beweise, dass die Explosion und das Sinken der Bohrinsel sowie der Tod der elf Arbeiter vermeidbar gewesen wären. Die Katastrophe sei das Ergebnis leichtfertiger Entscheidungen und Handlungen von BP. Anadarko hätte die Dinge anders gehandhabt, aber "wir waren nicht auf der Bohrinsel und wir wurden hinsichtlich der Prozeduren und Vorgehensweisen auf der Plattform nicht konsultiert". Anadarko habe darauf vertraut, dass der Betreiber der Ölplattform im besten Interesse der Arbeiter und der Teilhaber handle. Er sei schockiert über die jetzt bekanntgewordenen Informationen, nach denen die Arbeitsweise von BP nicht sicher gewesen sei und das Unternehmen Warnsignale ignoriert habe.

Musikstars wollen BP bei Tourneen boykottieren
BP droht wegen der Ölpest auch Ungemach von unerwarteter Seite. Die US-Rockband Korn hat andere Stars der Musikbranche dazu aufgerufen, bei ihren Konzerttourneen Benzin von BP zu boykottieren. Nach Angaben der Band haben sich Lady Gaga, Creed und die Backstreet Boys dem Aufruf angeschlossen. Zudem haben Prominente wie Justin Bieber, Cameron Diaz, Lenny Kravitz und Ryan Secreast zugesagt, am Montag in einer zweistündigen Sondersendung von CNN aufzutreten, bei der Geld für die Opfer der Ölkatastrophe gesammelt werden soll. Moderator der Show wird Larry King sein.

BP strebt Anleihe über fünf Milliarden Dollar an
Indes will BP will im Kampf gegen die Ölpest einem Fernsehbericht zufolge mit einer Anleihe fünf Milliarden Dollar einsammeln. Die Zinsen für die ungesicherte Schuldverschreibung könnten zwischen acht und zehn Prozent betragen, berichtete CNBC am Freitag.

BP hat sich auf Druck der US-Regierung bereiterklärt, einen 20 Milliarden Dollar schweren Fonds einzurichten, um Schadenersatzansprüche zu befriedigen. Dazu setzt der Konzern auch auf die Hilfe von Banken. Einem führenden Banker zufolge bemüht sich der Energieriese bei sieben Instituten um sieben Milliarden Dollar an Krediten. BP hatte Anfang des Monats vor Investoren erklärt, über Barmittel von fünf Milliarden Dollar sowie noch nicht in Anspruch genommene Kreditlinien über 5,25 Milliarden Dollar zu verfügen. Weitere 5,25 Milliarden Dollar seien bereits bewilligt und stünden zum Abruf bereit.

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