Csatáry im Visier
Mutmaßlicher NS-Scherge durch neue Dokumente belastet
Unter dem "Ghetto-Kommandanten" Csatáry seien zwischen dem 15. Mai und 2. Juni 1944 fast 12.000 Juden aus Kosice nach Auschwitz deportiert worden, sagte Gellert. Die Archivdokumente bestätigten demnach anhand der Unterschrift eindeutig die Befehle Csatárys. Der heute 97-Jährige hatte vor Journalisten behauptet, er hätte "nicht an den Deportationen teilgenommen". Zeugenaussagen würden jedoch "Brutalität und Sadismus" von Csatáry belegen.
Verbindungsmann zu deutschen Besatzern?
Wie auf der Pressekonferenz in Budapest betont wurde, soll Csatáry angesichts seiner guten Deutschkenntnisse bei der Deportation als Verbindungsmann zwischen den ungarischen Behörden und deutschen Besatzern gearbeitet haben. Gegen Csatáry ist die ungarische Staatsanwaltschaft erst nach jahrelangem Drängen des Simon-Wiesenthal-Zentrums eingeschritten. Der 97-Jährige war in der Vorwoche festgenommen, den ersten Verhören unterzogen und unter Hausarrest gestellt worden (siehe Infobox). Das Jerusalemer Wiesenthal-Zentrum hatte den seit Jahren unbehelligt in Budapest lebenden Mann aufgespürt.
Kein Hinweis auf Todesurteil in Tschechoslowakei
Offen bleibt indessen eine mögliche Auslieferung Csatárys an die Slowakei. Wie der Strafrechter Mihaly Toth gegenüber der ungarischen Nachrichtenagentur MTI betonte, müsste Csatáry an das Nachbarland ausgeliefert werden, wenn er beim Prozess im Jahr 1948 in der damaligen Tschechoslowakei verurteilt wurde.
Doch auch in dem Falle müssen die slowakischen Behörden die Auslieferung beantragen. Toth erinnerte daran, dass im selben Fall nicht zwei Mal geurteilt werden dürfe. Daher bezweifle er, dass es im Fall Csatáry noch ein rechtskräftiges Urteil geben werde. Völkerrechtler Gellert fand jedenfalls in Kosice kein Dokument, das ein angebliches Todesurteil gegen Csatáry in der damaligen Tschechoslowakei belegen würde.







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