Nach einem letzten Gebet der Trauergemeinde in der Wawel- Kathedrale, der nationalen Krönungs- und Grabstätte der Polen, verschwanden die Särge dann in der dunklen Gruft des Domes. Nur die Familie durfte den letzten Minuten der Beisetzung beiwohnen.
In der Krypta hat auch Marschall Jozef Pilsudski seine letzte Ruhestätte, das große Vorbild des am vergangenen Samstag bei einem Flugzeugabsturz bei Smolensk in Westrussland verunglückten Präsidenten. Pilsudski hatte nach dem Ersten Weltkrieg den unabhängigen polnischen Staat wiederhergestellt und 1920 das Land gegen die Rote Armee verteidigt.
Zu Lebzeiten war Lech Kaczynski als Präsident sehr umstritten und ohne Chance auf eine Wiederwahl. Nach seinem tragischen Tod hat er Einzug ins nationale Pantheon Polens - neben Monarchen, Kriegshelden und Nationaldichtern - gefunden. Etwa Hunderttausend Menschen trauerten um ihn in Krakau. In den Tagen zuvor waren es landesweit viele Hunderttausende gewesen.
Bei der Trauermesse am Sonntag in der Krakauer Marienkirche wurde der Patriot Kaczynski gewürdigt. "Du hast um die Freiheit, Gerechtigkeit und die Präsenz des Kreuzes gekämpft", sagte der Chef der Gewerkschaft "Solidarnosc", Janusz Sniadek. Der Primas von Polen, Henryk Muszynski, betonte, Kaczynskis Lebensdevise lasse sich auf die Formel "Gott, Ehre, Vaterland" bringen. Das Präsidentenpaar wollte der ermordeten Landsleute in Katyn gedenken und habe dafür "den höchsten Preis" gezahlt, sagt der Metropolit von Krakau, Kardinal Stanislaw Dziwisz.
Rund 20 Staats- und Regierungschefs waren in die Marienkirche gekommen. Eigentlich sollten am Staatsbegräbnis deutlich mehr Staatsleute aus aller Welt teilnehmen. Vom "größten internationalen Treffen in der Geschichte Polens" hatte Ex- Außenminister Adam Daniel Rotfeld gar geschwärmt. Doch die Natur machte den polnischen Organisatoren einen Strich durch die Rechnung. Wegen der gefährlichen Aschewolke aus Island konnten viele Gäste nicht anreisen, darunter US- Präsident Barack Obama und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. Auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer mussten absagen.
Der russische Präsident Dmitri Medwedew dagegen ließ sich von seinen Reiseplänen nicht abbringen. Seine Teilnahme wurde als ein weiteres wichtiges Signal für die polnisch- russische Annäherung gewertet. Denn nach dem Schock der Flugkatastrophe, bei der vor einer Woche neben dem Präsidentenpaar 94 teils hochrangige Persönlichkeiten Polens starben, versuchen Moskau und Warschau einen Neuanfang.
Die Menschen in Krakau kümmerte die Abwesenheit ausländischer Prominenz wenig. Schon seit den frühen Morgenstunden warteten Tausende auf dem Krakauer Hauptmarkt auf den Konvoi mit den Särgen des Präsidentenpaares. "Das war mein Präsident, niemand kann ihn ersetzen", weinte eine in Schwarz gekleidete Krakauerin.
Wer Lech Kaczynskis politisches Erbe antritt, ist vorerst offen. Sein Zwillingsbruder und früherer Ministerpräsident Jaroslaw hat bisher geschwiegen. Von der Legende seines Bruders beflügelt, könnte Jaroslaw beim bevorstehenden Kampf um das Präsidentenamt eine wichtige Rolle spielen.