Mentales Loch

Köllerer bricht nach Auftakt-Pleite in Paris in Tränen aus

Sport
25.05.2010 14:59
Was ist nur mit Daniel Köllerer los? Der 26-jährige Oberösterreicher, der am Dienstag erst zum zweiten Mal im Hauptbewerb der French Open gestanden ist, hat nach einer völlig lustlosen Leistung gegen den russischen Qualifikanten Teimuras Gabaschwili nach 93 Minuten mit 2:6, 2:6, 1:6 verloren. Köllerer war völlig unmotiviert, befindet sich in einem tiefen mentalen Loch und brach schließlich sogar in Tränen aus.

"Es ist zurzeit so, wenn ich auf den Platz gehe, ... sobald ein Schiedsrichter auf dem Platz ist und gezählt wird, dann habe ich keine Lust mehr und mir fehlt die Motivation", meinte Köllerer zu seiner Leistung. "Ich werde mich selbst jetzt eine Zeit lang vom Turniertennis fernhalten und schauen, dass ich irgendwie wieder einen Biss kriege." Schon seit zwei Monaten sei es ihm eigentlich egal, ob er ein Match gewinne oder verliere. "Daniel braucht Hilfe", meinte sein verzweifelter Manager Manfred Nareyka, der seinen Schützling wie seinen eigenen Buben betrachtet und von einem Burnout sprach.

Tennis-Pause wegen Lustlosigkeit
Wenn man bei einem Saisonhöhepunkt wie Paris eine derartige Lustlosigkeit an den Tag legt, dann ist man auf dem falschen Platz. Das weiß auch Köllerer selbst. "Da braucht man nicht mehr recht viel dazu sagen, wenn so etwas in Paris passiert, kann ich mir einen Challenger oder ein ATP-Turnier in nächster Zeit sparen." Seinen vertraglichen Verpflichtungen in Sachen niederländische und österreichische Liga wolle er zwar nachkommen, danach stehe aber Urlaub auf dem Programm. Wann er wieder Turniertennis spielen wird? "Keine Ahnung, wie es weiter geht. Ich spiele sicher einen Monat nicht."

Dass sich Köllerer an diesem Tag auf dem Platz auch wieder von seiner schlechten Seite in Richtung Schiedsrichter zeigte, überrascht nicht. "Wenn der Schiedsrichter nur den Mund aufmacht, stellt es mir schon alle Haare auf. Es ist lustig zu trainieren, da geht alles, da habe ich keinen Druck."

Motivation im Keller
Lediglich der Challenger in Rom, den er im Vorjahr für seine damals verstorbene Mutter gewonnen hatte, habe ihm zuletzt etwas bedeutet. "Der Rest ist an mir vorbeigelaufen." Seit wann es ihm so geht? "Es hat sich langsam eingeschlichen. Es geht los, dass du von Anfang an keine Lust hast, zu einem Turnier zu fahren." Wenn dann noch kleinere Verletzungen hinzukämen, falle es leicht "dass du dem Gegner geistig die Hand schüttelst, bevor der Matchball überhaupt gespielt ist. Meine Motivation ist einfach im Keller, ich habe zur Zeit keine Lust, dass ich Tennis spiele."

Am Ende brach Köllerer sogar in Tränen aus. Dass der Welser ein emotional in allen Richtungen außergewöhnlicher Mensch ist, hat er schon öfters gezeigt.

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