Daten ausgewertet

Kaczynski-Maschine wegen Pilotenfehler abgestürzt

Ausland
15.04.2010 13:05
Nach dem Absturz der polnischen Präsidentenmaschine am Wochenende, bei dem Lech Kaczynski, seine Frau und 95 weitere Menschen ums Leben kamen, deuten nun die Ermittlungen russischen Medienberichten zufolge auf einen Fehler des Piloten hin. "Eine Analyse der Beweismittel, darunter erste Ergebnisse der Auswertung der Flugschreiber, zeigen, dass ein Pilotenfehler zu dem Unglück führte", meldete die Nachrichtenagentur Interfax am Donnerstag und berief sich dabei auf Ermittlerkreise.

Die Piloten seien möglicherweise nicht mit den Besonderheiten der Steuerung des Flugzeugtyps Tupolew-154 vertraut gewesen. So verliere die Maschine russischer Bauart nach einem starken Sinkflug auch bei waagerechter Flugbahn zunächst weiter an Höhe.

Piloten unter Druck gesetzt?
Russische Behörden hatten zuletzt technisches Versagen als Ursache für die Tragödie ausgeschlossen. Nach dem Unglück waren Spekulationen laut geworden, dass die Piloten unter Druck gesetzt worden sein könnten, das Flugzeug trotz schlechten Wetters zu landen. Zwei der drei Flugschreiber werden laut Interfax von polnischen und russischen Ermittlern in Moskau gemeinsam ausgewertet. Die Daten eines dritten Flugschreibers werden in Polen untersucht.

Die russische Seite hatte gleich nach dem Unglück am vergangenen Samstag einen Pilotenfehler als alleinige Ursache genannt. Die polnischen Ermittler verfolgen aber auch andere Theorien. Im Vordergrund: die russischen Fluglotsen und angebliche Verständigungsprobleme zwischen Tower und Cockpit.

"Piloten in die Irre geführt"
Fest steht, dass die Piloten alle Warnungen der russischen Fluglotsen vor einer Landung ignorierten, was auch polnische Experten nach einer ersten Analyse der Flugschreiber erklärten. Allerdings könnte es beim Landeanflug zu Missverständnissen zwischen den Piloten und den Fluglotsen gekommen sein. "Wir können die Hypothese nicht ausschließen, dass die Piloten in die Irre geführt wurden", zitierte die Zeitung "Dziennik Gazeta Prawna" vor wenigen Tagen einen der polnischen Ermittler.

Auch russische Medien berichten, dass es Verständigungsschwierigkeiten zwischen den Piloten und dem Flughafen gab. So zitierte das Internetportal "Lifenews" den Fluglotsen Pawel Plusnin mit den Worten, die polnische Besatzung habe Schwierigkeiten mit der russischen Sprache gehabt. "Sie konnten einige Zahlen nicht verstehen", so der Lotse. 

Dies könnte aber auch dem Smolensker Militärflughafen zum Vorwurf gemacht werden, dessen Beschäftigte offenbar nicht - wie international üblich - Englisch sprechen. Ein anderer Lotse gab an, die Konversation zwischen Boden und Cockpit sei auf Russisch "und teilweise in gebrochenem Englisch" geführt worden.

"Elite der Nation" bei Absturz getötet
Beim Flugzeugunglück im russischen Smolensk am vergangenen Samstag waren außer Polens Präsident Lech Kaczynski und seiner Frau 95 weitere Spitzenpolitiker, Geistliche, Militärs und Staatsbeamte ums Leben gekommen. Die Insassen der Präsidentenmaschine waren auf dem Weg zu einer Gedenkfeier im westrussischen Katyn, wo im Zweiten Weltkrieg polnische Offiziere von den Sowjets bei einem Massaker getötet wurden.

Proteste gegen Kaczynski-Grab
Unterdessen haben sich am Donnerstag die Proteste gegen die geplante Beisetzung von Kaczynski und seiner Frau auf der Wawel-Burg in Krakau ausgeweitet. In Krakau demonstrierten am Mittwochabend rund 2.000 Menschen gegen die Entscheidung der Krakauer Kirchenbehörden. Sie trugen Transparente mit Aufschriften wie "Wawel gehört den Königen" und "Wawel vor Schändung bewahren" (siehe Infobox).

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