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Jörg Haider - "Enfant terrible" der Politik

11.10.2008, 19:12
Jörg Haider - "Enfant terrible" der Politik (Bild: APA/ROLAND SCHLAGER)
Foto: APA/ROLAND SCHLAGER

Jörg Haider wurde am 26. Jänner 1950 im oberösterreichischen Bad Goisern geboren. Sein Vater Robert war Schuhmacher, seine Mutter Tochter eines Linzer Arztes. Haider wuchs in Oberösterreich auf, ging in Bad Ischl ins Gymnasium. Nach der Matura studierte er Rechtswissenschaften in Wien, wo er 1973 promovierte.

Haider, der während seiner Schulzeit immer wieder mit Reden als Burschenschafter und etwa bei einem Redewettbewerb in den Sechziger Jahren mit dem Beitrag "Sind wir Österreicher Deutsche?" einen Preis gewann, zog es nach dem Studium in die Politik. Er zog 1979 mit damals 29 Jahren als bis dato jüngster Abgeordneter für die Freiheitlichen in den Nationalrat ein. Er war in jeder Hinsicht ein Rebell, kritisierte auch Politiker innerhalb der FPÖ. 1986 gelang es ihm, den Parteivorsitz zu erringen, knapp drei Jahre später wurde er mit Unterstützung der ÖVP Landeshauptmann von Kärnten, verlor das Amt aber 1991 aufgrund seines Sagers über die "ordentliche Beschäftigungspolitik im Dritten Reich" wieder.

Acht Jahre später, 1999, erreichte er mit der FPÖ in Kärnten einen Stimmenanteil von rund 42 Prozent. Seit dem 8. April 1999 ist er wieder Landeshauptmann des südlichsten österreichischen Bundeslandes. Im selben Jahr wurde die FPÖ bei den Nationalratswahlen unter seiner Führung zweitstärkste Partei, ging eine Koalition mit der ÖVP unter Wolfgang Schüssel als Kanzler ein. Die schwarz- blaue Koalition startete mit Sanktionen seitens der EU: Einige Staaten sahen Haider aufgrund früherer, umstrittener Äußerungen als rechtsextrem an - doch selbst Demonstrationen konnten die Koalition nicht stoppen.

Seit 2005 von der FPÖ in Form des "Bündnis Zukunft Österreich" abgespalten, mischte Haider bis zum Wahlkampf 2008 dann nur im Hintergrund in der Bundespolitik mit. Heuer - bei den vorgezogenen Nationalratswahlen - feierte er, nach knapper Überwindung der Vier- Prozent- Hürde zwei Jahre davor, mit dem BZÖ einen Stimmenanteil von rund 11 Prozent und wurde viertstärkste Partei. "Nach jener von Lazarus ist meine Auferstehung die eklatanteste der Geschichte, glaube ich", sagte Haider in gewohnt pathetischer Manier. Zuletzt hatte Haider, der sich im Wahlkampf 2008 ungewohnt staatsmännisch und friedliebend präsentierte, mehr oder weniger realistische Ambitionen auf eine Regierungsbeteiligungen verfolgt. Eine schwarz- orange- grüne Koalition hatte er zumindest angedacht, dank der Versöhnung mit FPÖ- Chef Strache stand auch eine Neuauflage von Schwarz- Blau- Orange am Tapet.

Mit dem plötzlichen Tod Haiders, eines viel kritisierten und doch auch mit Respekt behandelten "Enfant terribles" der österreichischen Politik, verliert das Land einen seiner in jeder Hinsicht profiliertesten Politiker. Ob es Haider gelungen wäre, mit dem Ergebnis von 2008 eine Große Koalition zu verhindern, bleibt nun unbeantwortet. Wie es mit dem BZÖ ohne ihn weitergeht, steht wohl in den Sternen. Sein politisches Ziel formulierte Haider einmal damit, dass er die politische Wirklichkeit Österreichs verändern wolle. Das ist ihm zweifelsohne gelungen.
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