Iran- Krise: Obama vermeidet Treffen mit Netanyahu

12.09.2012, 19:56
Iran-Krise: Obama vermeidet Treffen mit Netanyahu (Bild: EPA)
Foto: EPA
Der Streit um die richtige Strategie im Atomkonflikt mit dem Iran belastet zunehmend das traditionell enge Verhältnis zwischen Israel und Amerika. US- Präsident Barack Obama lehnte es nach Angaben aus Israel vom Mittwoch ab, Ministerpräsident Benjamin Netanyahu während dessen Reise zur UN- Vollversammlung Ende des Monats in New York oder in Washington zu empfangen. Auch ein Ultimatum an den Iran werde es nicht geben, hatte zuvor schon US- Außenministerin Hillary Clinton klargestellt.

Wahlkämpfer Obama sei verhindert, sei aus Washington mitgeteilt worden - so machte ein hochrangiger Regierungsvertreter in Jerusalem die Absage öffentlich.

Hin und Her zwischen USA und Israel

Das Weiße Haus versuchte abzuwiegeln: "Es hat nie eine Bitte um ein Treffen von Regierungschef Netanyahu mit Präsident Obama in Washington gegeben, und ein solches Treffen ist auch niemals abgelehnt worden", sagte Sprecher Tommy Vietor.

Ein offener Widerspruch zu den Angaben kam allerdings sogleich aus israelischen Regierungskreisen. Die Mitteilung aus Washington, Obama habe nachts eine Stunde mit Netanyahu über die Iran- Krise telefoniert, wurde dann aber auch noch in Jerusalem bestätigt.

"Netanyahu und Obama brauchen eine Eheberatung"

Nach Einschätzung der Zeitung "Haaretz" stellt die Absage Obamas einen neuen Tiefpunkt in den Beziehungen zwischen beiden Politikern dar. Es wäre auch das erste Mal, dass Netanyahu bei einer Reise in die USA nicht den Präsidenten trifft, soweit der nicht selbst auf Reisen war.

"Netanyahu und Obama brauchen eine Eheberatung", titelte das US- Magazin "The Atlantic". Die Zeitung "Yediot Ahronot" spekulierte, Wahlkämpfer Obama habe nicht das Risiko eingehen wollen, bei einem Treffen von Netanyahu öffentlich unter Druck gesetzt zu werden, dem Iran ein Ultimatum zu stellen.

Netanyahu kritisierte Vorgehen der USA

Kurz vor der Absage aus Washington hatte Netanyahu die USA in ungewöhnlich scharfer Form angegriffen. Wer dem Iran keine roten Linien aufzeigen wollen, habe nicht das "moralische Recht", Israel "ein rotes Licht" beim Vorgehen gegen den Iran zu zeigen. Damit reagierte er offenbar auf Clinton, die ein von Netanyahu gefordertes Ultimatum Amerikas an den Iran abgelehnt hatte.

Clinton hatte stattdessen "Verhandlungen als den bei Weitem besten Ansatz" gepriesen. Netanyahu macht jedoch seit Langem keinen Hehl daraus, dass er keine großen Hoffnungen in den Erfolg von Sanktionen und diplomatischen Bemühungen setzt. Sie hätten bisher keinen Eindruck auf die Führung in Teheran gemacht, die es bei ihrem Streben nach Atomwaffenfähigkeit nur noch eiliger habe. Der Iran bestreitet weiter, an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten.

AG/red
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