Der Futtermittelhersteller Harles & Jentzsch in Schleswig- Holstein habe die von einem niederländischen Unternehmen gelieferte Fettsäure zur Herstellung von Futterfett verwendet, sagte der Sprecher. 527 Tonnen des Futterfetts seien dann an sieben Futtermittelbetriebe in Niedersachsen, drei Futtermittelhersteller in Nordrhein- Westfalen und jeweils einen Hersteller in Hamburg und Sachsen- Anhalt geliefert worden. Diese zwölf Hersteller hätten Höfe unter anderem in Niedersachsen, Nordrhein- Westfalen, Thüringen, Sachsen und Brandenburg beliefert.
Harles & Jentzsch hat nach eigenen Angaben jahrelang aus ganz Europa und Übersee Reste aus der Biodieselherstellung sowie der Nahrungsmittelindustrie aufgekauft und verarbeitet. "Wir waren leichtfertig der irrigen Annahme, dass die Mischfettsäure, die bei der Herstellung von Biodiesel aus Palm- , Soja- und Rapsöl anfällt, für die Futtermittelherstellung geeignet ist", gestand Geschäftsführer Siegfried Sievert zu.
Der Biodiesel- Hersteller Petrotec wies jede Verantwortung für die Verseuchung zurück. Die an einen niederländischen Händler gelieferte Fettsäure sei allein zur technischen Verwendung und nicht für die Produktion von Hühnerfutter bestimmt gewesen, teilte die Petrotec AG am Montagabend mit. "Es ergibt sich eindeutig aus den zugrundeliegenden Verträgen, dass die von der Petrotec AG an den holländischen Händler verkaufte Mischfettsäure aus Altspeisefett nicht für die Lebensmittel- und Futtermittelindustrie, sondern nur zur technischen Verwendung geeignet und bestimmt ist", hieß es in einer Pressemitteilung des Unternehmens.
Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) nannte am Dienstag die Erklärungsversuche der Verantwortlichen "wenig glaubwürdig". Zum Ermittlungsverfahren gegen Harles & Jentzsch sagte Oberstaatsanwalt Ralph Döpper, es bestehe der konkrete Anfangsverdacht eines Verstoßes gegen das Futtermittelrecht.
Die Dioxin- Belastung des Futters für Hühner, Puten und Schweine veranlasste die Behörden mehrerer deutscher Bundesländer zu drastischen Sofortmaßnahmen, um den Schaden für Verbraucher und Landwirtschaft einzugrenzen. Nach einer Telefonkonferenz der Ministerien mehrerer Bundesländer sperrte Niedersachsen am Montag vorsichtshalber 1.000 Höfe. Ein betroffener Bauernhof in Nordrhein- Westfalen soll etwa 120.000 Eier in den Handel gebracht haben.
Der Vorsitzende des niedersächsischen Landesverbandes der Geflügelwirtschaft, Wilhelm Hoffrogge, hält nach dem Fund dioxinbelasteten Futters die Sperrung vieler landwirtschaftlicher Betriebe für notwendig. Der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte er, der Verbraucherschutz habe jetzt Vorrang. Existenzielle Nöte für die Geflügelhalter in Niedersachsen befürchtete Hoffrogge nicht: "Ich gehe davon aus, dass sich die Situation schnell bereinigen wird." In sieben bis zehn Tagen erwarte er eine Aufhebung der Sperre.
Der Vorsitzende des Bundestags- Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Hans- Michael Goldmann, sagte den Dortmunder "Ruhr Nachrichten": "Wir müssen uns damit beschäftigen." Beim Thema Dioxin gingen "natürlich sofort alle Alarmglocken an". Goldmann kündigte an, auch eine rasche Sondersitzung des Parlaments- Ausschusses sei denkbar, um sich ein Bild über die Lage verschaffen zu können sowie über das Krisenmanagement und mögliche Konsequenzen zu beraten.