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"Ich habe eine bösartige Ader!"

22.10.2008, 16:06
"Ich habe eine bösartige Ader!" (Bild: APA/POLIZEI)
Foto: APA/POLIZEI
Wer ist dieser Josef F., der seine Tochter 24 Jahre lang wie eine Sklavin hält, sie zwingt, sieben Kinder von ihm in einem Keller zur Welt zu bringen - und der eigenen Frau drei davon zur Erziehung "unterjubelt"? Wir wissen mittlerweile: Dieser Josef F. ist zurechnungsfähig. War es immer. Aber im soeben fertig gestellten Gutachten lernen wir noch viel mehr von ihm kennen. Das Kind, den Pubertierenden, den Erwachsenen, den Horror- Vater ...

130 Seiten stark ist das Gutachten von Primaria Heidi Kastner, Leiterin der forensischen Psychiatrie Linz. Und stark ist auch der Inhalt. Im Folgenden einige wichtige Passagen.

Das Kind Josef F.: Sohn einer Mutter, die ihn als "Alibikind" (Zitat F.) zur Welt brachte. Um zu beweisen, dass sie nicht unfruchtbar ist. F., der behauptet, ein geschlagenes, ignoriertes, unterjochtes Kind gewesen zu sein. Isoliert von anderen seines Alters. Ein Kind, das lernte, fortan Realitäten auszublenden und sich vornahm: "Ich will was aus meinem Leben machen, nie wieder gedemütigt werden."

Der pubertierende Josef F.: einerseits besessen, zu lernen und seinen Intellekt zu schärfen. Darunter bereits verborgen: die "böse Seite" (Zitat Kastner). Das Verlangen nach Machtausübung gegenüber Frauen erwacht. Bald wird er Frauen im Park nachstellen, später wird er wegen Vergewaltigung verurteilt. Parallel: heiratet er ...

Der erwachsene Josef F.: hat viel von einem Vulkan. Eine unspektakuläre Oberfläche, fast bieder. Er fühlt sich zerrissen, will alles gut machen - dann wiederum "kommt das Böse in ihm zum Ausbruch" (Kastner). "Ich habe festgesellt, dass ich eine bösartige Ader habe", und: "für jemanden, der zum Vergewaltigen geboren ist, habe ich relativ lange durchgehalten", sagt er im Gutachten, das an Deutlichkeit nichts vermissen lässt.

Primaria Kastner kommt zum Schluss, dass er mit der Einkerkerung seiner Tochter für seine Perversion die "Ideallösung" gefunden hat. Sein Leben spiegelt seine Seele wider: "oben" das biedere Haus, das biedere Leben. "Unten", im Keller, konnte er seine "böse Seite" ausleben. Seine abartigen Phantasien.

Dreifachleben geführt

F. will seiner Tochter bei sexuellen Übergriffen nie ins Gesicht gesehen haben und denkt heute noch daran, mit seiner Familie seinen Lebensabend zu verbringen. F. hat es immer geschafft, Realitäten auszublenden. Er ist nicht nur "exorbitant fähig, ein Doppelleben zu führen. Er schaffte auch die Aufrechterhaltung eines Dreifachlebens ohne Probleme", sagt Kastner.

Sehr hohe Rückfallgefahr

Für sie ist klar: Josef F. ist krank. Er ist straffähig, muss aber in eine Anstalt, denn die Rückfallgefahr ist in seinem Fall hoch. Sehr hoch.

Interessant auch die Begründung des Warum: F. wollte immer die unauflösbare Nähe, den völligen Besitz. Er war überzeugt, seine Tochter würde für den Rest ihres Lebens ihm gehören. Selbst nach ihrer Befreiung würde sie für keinen anderen Mann mehr attraktiv sein können ...

Von Susi Hauenstein, Kronen Zeitung

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