Hallstatt- Kopie in China feierlich eröffnet

02.06.2012, 17:11
Foto: Kronen Zeitung / Video: APA
China- Hallstatt lebt! Offiziell zumindest, denn eröffnet ist es seit Samstag, wenn auch noch lange nicht bewohnbar. Gefeiert wurde im Hotel ("Gewittergefahr") mit Konfetti- Goldregen – also nix mit Salinenmusik und China- Folklore vor beinahe echter Kulisse. Dafür aber sehr viel Inszenierung Marke Fernost. Pragmatismus war da unter den Gästen angesagt. "In der Hitze hätten wir eh nur geschwitzt", sagte ein Musikant. So waren es nur die Chinesen, die gehörig schwitzten.

"Natürlich wäre die Atmosphäre draußen auf dem Marktplatz eine andere gewesen", meinte der Musiker Josef Scheutz nach der einstündigen Zeremonie. Alle Nicht- Chinesen fühlten sich da wohl wie im falschen Film – exakt einstudierte Reden ohne die Worte "Nachbau" oder "Imitat", so traten Bauherr He Jianbo, Chef der staatlichen Minemetals Land, Martin Wollner (Außenwirtschaftsdelegation), eine Vertreterin der Region Boluo und Hallstatts Bürgermeister Alexander Scheutz ans Mikro.

"Hallstatt ist der schönste Ort der Welt", sagten die Chinesen. Und den habe man sich zum Vorbild genommen, kombiniert mit Merkmalen der Region und der vor 2.000 Jahren erstmals erwähnten Kleinstadt Boluo. Und genau da steht Hallstatt Nummer zwei nun. Bürgermeister Scheutz legte da noch 5.000 Jahre drauf. "7.000 sind es bei uns", sagte er mit einer Portion Dank für die Anerkennung, die seinem kleinen Ort hier zuteil werde. Und er blickte voraus: "Wir sind sicher, Verbindungen in Kultur, Tourismus, Bildung und Kunst zu finden!" Was lag da näher, als die Chinesen zum Gegenbesuch zu laden. Sprach der Ortschef und unterfertigt unter Fanfarenklängen und Gold- Konfetti den Freundschaftsvertrag.

"Total surreal, das erlebst du nie wieder"

Dann der Auftritt der Salinenmusik. Gespielt wurde der "Olympia- Marsch" und das chinesische Stück "Muo Li Hue" ("Jasminblüte"), gefolgt von der Vorführung einer Tanzgruppe. "Gut, dass es geschafft ist", sagte Bürgermeistersgattin Susanne Scheutz. Worüber sie sich am meisten wunderte? "Die Heerschar chinesischer Kameraleute und Fotografen."

"Total surreal, das erlebst du nie wieder", fiel da der Musiker Christian Pilz in das Erstaunen über das chinesische Inszenierungswunder ein. "Darauf kann man sich nicht vorbereiten." Das sah auch Monika Wenger, privat nachgereiste Chefin des kopierten Hotels "Grüner Baum", so. Sie hatte die Veranstaltung mit ihrem Sohn schon vor dem Ende verlassen. Kopfschüttelnd.

650 Millionen Euro für Hallstatt- Kopie in China

Angesagte Gewitter hatten zuvor als Ausrede gedient, die Feier für das 650- Millionen- Euro- Projekt "kurzfristig" in ein Hotel zu verlegen. Zuvor war die Delegation noch nach Hallstatt Nummer zwei vor den Toren der boomenden Vier- Millionen- Stadt Huizhou chauffiert worden – zu sehen bekommen sollten die echten Hallstätter die Kopie - pardon, das Vorbild - dann doch noch.

"Fesch haben sie es gemacht", erklärte da ein höflicher Bürgermeister Scheutz. Dass nur ein Haus prunkvoll und im Stilmix eingerichtet ist, stört keinen großen Geist. Wie auch falsch abgeschriebene Hinweisschilder, eine englische Telefonzelle, eine Mega- Hallstatt- Bierflasche mit bayerischer Qualität samt Ansicht von Schloss Neuschwanstein – und auch nicht die vielen Palmen oder Weinranken aus Plastik. Denn: "Wir haben ja nur Teile Hallstatts zum Vorbild genommen", so der Bauherr.

Noch ein Nachbau mit "echten" Bergen geplant

Gewohnt wird auf der Großbaustelle freilich noch nicht. Und das bleibt fürs Erste auch so. Für die chinesische Oberschicht, die sich dort ein Quartier kaufen können soll (15.000 Euro pro Quadratmeter) heißt es also warten. Zu besichtigen sind nur die Kirche und ein Haus, dafür gibt es viele Modelle (mit Bildnis von Kaiserin Sisi darüber). Tradition verpflichtet eben. Und: Die Zukunft, wenn alles nach Plan läuft, ist bereits auf Schiene – Hallstatt Nummer drei.

Nur wann und wo, ist unklar. Hauptsache mit Seen und Bergen. Wie vermutet werden darf, dann ohne die echten Hallstätter. Denn Aufsehen erregen ist bekanntlich der Chinesen Sache nicht.

Kronen Zeitung/red
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