Seinen Rückzug von der SP- Spitze begründete Gusenbauer damit, dass er sein "politisches Kapital" verbraucht habe. Daher habe er sich im Frühjahr entschlossen, Werner Faymann als neuen Parteichef vorzuschlagen. Nun gehe es darum, "alle Kräfte zu bündeln, die wir in den letzten 50 Tagen brauchen können, um die Wahlauseinandersetzung zu gewinnen", rief Gusenbauer die Delegierten zur Geschlossenheit auf.
Attacke gegen "Koalitionsgegner" ÖVP
Dem Noch- Koalitionspartner widmete Gusenbauer eine scharfe Abrechnung und warf der ÖVP vor, sich nicht wie ein "Koalitionspartner", sondern wie ein "Koalitionsgegner" verhalten und der Regierung keine Erfolge gegönnt zu haben. Spätestens beim Streit um die Inflationsabgeltung sei klar geworden, dass die ÖVP nur nach dem besten Zeitpunkt für Neuwahlen suche, um die Niederlage des Oktober 2006 zu korrigieren.
ÖVP- "Spielchen der letzten Jahre" sollen ein Ende haben
"Ich glaube, dass sich eine solche Politik nicht rentieren wird", hoffte Gusenbauer auf einen Wahlsieg der SPÖ meinte angesichts der "Es reicht"- Plakate der ÖVP: "Vielleicht reicht's den Leuten wirklich am 28. September und sie sorgen dafür, dass die Sozialdemokratie eine so ausreichende Mehrheit bekommt, damit die ÖVP die Spielchen der letzten Jahre nicht mehr wird fortsetzen können." Möglicherweise stehe der "Werbeguru" der ÖVP ja im Sold der SP- Zentrale, feixte Gusenbauer.
Den Auftakt der knapp 25- minütigen Gusenbauer- Rede machte eine kurze Bilanz über seine acht Jahre an der SP- Spitze. Er rief die Partei auf, eine moderne Sozial- und Bildungspolitik fortzusetzen. "Das werden die beiden Pfeiler sein, auf denen Österreich auch in Zukunft gebaut werden muss."
Zum Abschluss warb der scheidende SP- Chef bei den Delegierten um Verständnis für seinen Weg an der Parteispitze. "Ein Weg der nie unumstritten war, ein Weg, der mein eigener Weg war, ein Weg, der durchaus seine Angriffsflächen geboten hat. Ich bin stolz auf das, was wir gemeinsam zustande gebracht habe. Ich entschuldige mich für die Fehler die ich gemacht habe", so Gusenbauer. Seinem Nachfolger Faymann wünschte er "alles Gute und viel Kraft" für den Wahlkampf. "Er ist die beste Wahl", versicherte der scheidende Parteichef und erntete von den Delegierten Standing Ovations.