Unterdessen gingen die Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Polizei weiter. Gegen den Vater des Amokläufers sollte offenbar ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung eingeleitet werden. Für den Nachmittag war eine entsprechende Presseerklärung angekündigt. Der 17- jährige Todesschütze hatte die Waffe früheren Angaben zufolge aus dem Schlafzimmer seines Vaters entwendet, der Mitglied in einem Schützenverein ist.
Nach einer ersten Beisetzung am Samstag sind für die nächsten Tage nach diesen Angaben weitere Beerdigungen vorgesehen. Nach Informationen der Polizei sollen alle Opfer von Tim K. noch vor der Zentralen Trauerfeier mit Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel am Samstag beigesetzt sein.Wann und wo der Attentäter selbst beigesetzt werden soll, ist indes nicht bekannt. Seine Eltern und wohl auch seine jüngere Schwester waren am Montag weiter an einem auch für die Polizei unbekannten Ort, wie Polizeisprecher Klaus Hinderer sagte. Der Kontakt zu der Familie werde über ihren Anwalt gehalten.
Nicht äußern wollte sich der Sprecher zu einem Zeitungsbericht, wonach nach Angaben des Schützenvereins SSV Leutenbach Tim K. nur ein einziges Mal, und zwar im Oktober 2008, in der Anlage mit einer Pistole geschossen habe. Die "Stuttgarter Nachrichten" berichteten unter Berufung auf den Vereinsvorsitzenden Detlef Lindacher, dies sei auch vorschriftsmäßig im Schießbuch notiert worden. Eine weitere Schießübung drei Wochen vor dem Amoklauf sei nicht eingetragen worden.
In der deutschen Politik geht indes die Debatte um die Konsequenzen nach dem Amoklauf weiter. Während sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für schärfere Kontrollen von Waffenbesitzern stark machte, nannte die Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Claudia Roth, diesen Vorschlag unzureichend. "In Deutschland befinden sich rund sieben Millionen gefährliche Schusswaffen legal in privater Hand. Bei dieser Zahl kann die Forderung nach Winnenden nur lauten: Abrüstung und Entwaffnung!", sagte sie in der Fernsehsendung "MDR aktuell". Die Politik müsse ein Zeichen setzen zum Schutz der Kinder und gegen die Interessen der Waffenlobby.
Der deutsche Philologenverband setzt sich für eine bessere Lehrerbezahlung oder eine Gefahrenzulage ein. Der Vorsitzende Heinz- Peter Meidinger sagte der "Bild"- Zeitung: "Der Amoklauf hat erneut gezeigt, dass Lehrer in ihrem Beruf immer öfter zum Hassobjekt werden. Man könnte jetzt über eine Art Gefahrenzulage nachdenken." Zumindest müssten Lehrer finanziell bessergestellt werden, sagte Meidinger dem Blatt zufolge. Damit würde gleichzeitig deutlich gemacht, wie schwierig und komplex der Lehrerberuf geworden sei.
Die CDU- Bundestagsabgeordnete Katherina Reiche zeigte Sympathien für die Position. Die "Bild"- Zeitung zitierte sie mit den Worten: "Der Lehrerberuf wird auch vor dem Hintergrund von Gewalt immer schwieriger. Eine Diskussion über spezielle Gehälter halte ich deshalb für richtig." Bei dem Amoklauf des 17- jährigen Tim K. an der Albertville- Realschule in Winnenden wurden drei Lehrerinnen erschossen.