Schon bei den vergangenen PISA- Tests gab es für Österreich keinen Grund zum Jubeln. Weit abgeschlagen landeten die heimischen Jugendlichen bei den Aufgaben aus den Gebieten Mathematik, Naturwissenschaft und Lesen. Vor allem am Verstehen von Texten hapert es. 2006 erzielten die österreichischen Schüler 490 Punkte beim Lesen – 60 Zähler hinter dem Seriensieger Finnland. Laut Experten entsprechen 48 Punkte einem Schuljahr. Das also heißt: Die heimischen 15- und 16- Jährigen hinken mehr als ein Jahr hinter den Besten her. Und heuer wird es sogar noch schlechter.
Während sich Deutschlands Jugendliche, die stets auch nicht besonders gute Noten eingefahren hatten, um einiges verbesserten und im internationalen Vergleich aufholen konnten, schnitten Österreichs Schüler dieses Mal noch miserabler ab. Der Grund dafür liegt beim heurigen Schwerpunktthema Lesen. Und genau da gibt es hierzulande die allergrößten Defizite.
Wie schlimm das Ergebnis tatsächlich ausfällt, wird sich am Dienstag zeigen, wenn Unterrichtsministerin Claudia Schmied und Bifie- Direktor Günter Haider die Details der Studie präsentieren. Es ist heuer der erste Test, der in die Amtszeit von Ministerin Schmied fällt. Davor war Elisabeth Gehrer für die Bildungsbelange zuständig, von Reformen war damals wenig zu hören. Jetzt betont Ministerin Schmied: "Die nun getesteten 15- und 16- Jährigen haben von den eingeleiteten Innovationen noch nichts gehabt. Es dauert, bis die Veränderungen wirken." Das katastrophale Abschneiden der heimischen Schüler will sie jedenfalls ernst nehmen und sieht das als ein deutliches Signal, dass weiter gearbeitet werden muss.
Doch derzeit ist die Bildungspolitik gehörig ins Stocken geraten, die Regierungsparteien können sich kaum auf einen gemeinsamen Nenner einigen. Kommt von einer Seite ein Vorschlag, heißt es von der anderen sofort "Nein". Experten fordern nun endlich ein Ende des Bildungsstreits und echte Reformen. Rudolf Taschner: "PISA ist ein Trauerspiel. Die Schere zwischen guten und schlechten Schülern ist in Österreich besonders groß. Lesen muss in der Gesellschaft wieder wichtiger werden. Auch daheim muss das Buch wieder vermehrt Einzug halten. Der Fernsehapparat ist kein Lese- Ersatz."
von Doris Vettermann, Kronen Zeitung