Star als Öko-Retter
BP setzt bei Ölpest auf Kevin Costners Technologie
Costner erklärte am Dienstag, er habe die rund 1.800 Kilo schwere zentrifugale Öl-Scheidevorrichtung Anfang der 90er-Jahre gemeinsam mit seinem Bruder, einem Wissenschaftler, erfunden. Das auf Schiffen zu betreibende Gerät funktioniere wie ein Staubsauger und sauge das ölige Wasser aus dem Meer auf, schleudere es mit hoher Geschwindigkeit herum und spucke 99 Prozent pures Wasser und ein Prozent Rohöl aus.
BP hat in den vergangenen Tagen laut eigenen Angaben sechs der Costner-Zentrifugen getestet und nach einigen Nachjustierungen offenbar brauchbare Ergebnisse erzielt. "Das ist der Weg, eine Ölpest im 21. Jahrhundert zu bekämpfen", meinte der Star, der einst mit "Waterworld" einen Endzeitfilm über eine geflutete Welt drehte, in der Bandenkriege um fossile Rohstoffe geführt werden.
Bereits in der vergangenen Woche hatte Costner die Maschine vor einem Kongress-Ausschuss (Bild re.) vorgestellt und erklärt, er habe in den vergangenen 15 Jahren rund 24 Millionen Dollar in die Entwicklung investiert. US-Medien berichteten aber zwischenzeitlich, Costner sei erst seit kurzem an der Firma beteiligt. Vor dem Senatskomittee sparte Costner jedenfalls nicht mit Eigenlob: "Ob ich hier mein Produkt vermarkte? Natürlich! Soweit ich das sehe, können Sie auf Umwelt-Fachmessen ein paar Kilometer Ölsperren und jede Menge Helikopter kaufen. Aber eine Maschine, mit der Sie das Öl aus dem Wasser filtern können, die bekommen Sie nur bei mir!"
Feuer auf Bohrschiff stoppte Abpumparbeiten
BP hatte am Dienstag zuvor einen kurzen Rückschlag bei den Abpumparbeiten über dem Bohrloch im Golf von Mexiko erlitten. Wegen eines Brandes auf einem Bohrschiff musste das Abpumpen des aufgefangenen Rohöls vorläufig gestoppt werden müssen. Nach Angaben des Ölkonzerns konnte das vermutlich von einem Blitz verursachte Feuer aber nach kurzer Zeit gelöscht werden. Verletzte habe es auf der "Discover Enterprise" nicht gegeben, alle Sicherheitsvorschriften seien eingehalten worden.
Ausmaß der Ölpest erneut nach oben korrigiert
Die Ausmaße der Ölpest wurden indes erneut nach oben korrigiert: Aus dem lecken Bohrloch in 1.500 Metern Tiefe strömen nach neuen Schätzungen täglich bis zu 60.000 Barrel Öl ins Meer, das entspricht etwa 9,5 Millionen Liter, wie US-Innenminister Ken Salazar bekanntgab. Die Bandbreite der Schätzungen liege noch zwischen 35.000 und 60.000 Barrel. "Diese Schätzung, die wir weiter verfeinern werden, je mehr neue Daten und neue Analysen den Forscherteams vorliegen, ist die bisher umfassendste Einschätzung der täglich auslaufenden Ölmenge", sagte Salazar.
Erst am Wochenende waren die Schätzungen einer von der US-Regierung eingesetzten unabhängigen Expertengruppe bekannt geworden, welche die auslaufende Ölmenge mit täglich mindestens 40.000 Barrel Öl (6,4 Millionen Liter) angegeben hatte - mindestens doppelt so viel wie zuvor angenommen. BP selbst sprach über Wochen hinweg von nur 800.000 Litern, die täglich fließen.
Obama spricht Betroffenen Mut zu
US-Präsident Obama erklärte am Dienstag bei seinem insgesamt vierten Besuch in der von der Ölpest betroffenen Region, dass seine Regierung alles tun werde, um den typischen Lebensstil am Golf "für unsere Kinder und unsere Enkel und unsere Urenkel" zu erhalten. Es existierten Befürchtungen, dass die Ölpest langfristige Auswirkungen auf einen seit Generationen überbrachten Lebensstil haben könnte - "und ich verstehe diese Furcht", sagte Obama. Er könne nicht versprechen, dass das Öl "über Nacht" beseitigt werden könne. "Das wird nicht so sein", hob der Präsident hervor. Aber er könne versprechen, dass irgendwann wieder Normalität herrsche.
Obama kündigte strengere Kontrollen der Wasserqualität und der Fischproduktion in der Region an, um das Verbrauchervertrauen zu stärken. Entsprechende Anweisungen gingen demnach an die Meeresbehörde NOAA und die Lebensmittelbehörde FDA. Wegen der Ölverseuchung ist derzeit der Fischfang in einem Drittel der US-Gewässer im Golf von Mexiko untersagt. Zuvor hatte Obama die Bürger aufgerufen, trotz der Ölpest weiterhin als Touristen die Golfküste zu besuchen. Viele Strände seien von der Ölkatastrophe unberührt, sagte Obama. "Wer helfen will, sollte auf einen Besuch hierherkommen." Die Ölpest zur Sommersaison ist ein schwerer Schlag für den Tourismussektor an der US-Golfküste.
Rede zur Lage der Nation: "Zeit für saubere Energien"
Nach Besuchen an den Küsten der Bundesstaaten Mississippi und Alabama reiste der Präsident in den Nordwesten Floridas weiter. Am Abend hielt er im Oval Office in Washington eine Rede an die Nation (siehe ausführlichen Bericht in der Infobox). Neben Kampfansagen an BP forderte der Präsident auch einen Kurswechsel bei der Energieversorgung: "Die Tragödie vor unserer Küste ist die bislang schmerzlichste und stärkste Erinnerung daran, dass jetzt die Zeit für eine Zukunft mit sauberen Energien ist", sagte Obama.







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