Nutzen "Bio-Waffen"

Asiatische Art bedroht heimische Marienkäfer

Wissen
20.05.2013 08:00
Asiatische Marienkäfer nutzen "Bio-Waffen", um ihre roten europäischen Verwandten zunehmend zu verdrängen. Dem gelblichen bis fast schwarzen Käfer aus Asien helfen bei der schnellen Ausbreitung sein robustes Immunsystem sowie winzige Sporen, die einheimische Siebenpunkt-Marienkäfer töten können, berichten Forscher im Fachblatt "Science".

Die asiatische Art (Bild) wurde seit den 1980er-Jahren als aggressiver Blattlausvertilger in europäischen Gewächshäusern eingesetzt und hat sich danach auch in freier Natur verbreitet, berichten deutsche Wissenschaftler. Wegen ihrer Vielfalt an Farben und Punkten heißen die Einwanderer auch "Harlekin-Käfer".

Asiatische Art mittlerweile ein Plage
Nun würden sie mancherorts durch massenhaftes Auftreten zur Plage und machten auch Winzern zu schaffen, schreiben die Forscher. Denn im Gegensatz zum heimischen "Glückskäfer" frisst die asiatische Variante auch Trauben. Gelangten die Tiere in größerer Zahl in die Maische, könne der Weingeschmack durch ihre chemischen Verteidigungssubstanzen leiden.

"In Deutschland ist der asiatische Marienkäfer schon weitgehend flächendeckend vertreten", sagte der Biologe Heiko Vogel vom Jenaer Max-Planck-Institut für chemische Ökologie. Zusammen mit Wissenschaftlern der Universität Gießen hat er untersucht, warum die asiatischen Marienkäfer (Harmonia axyridis) als Invasoren so erfolgreich sind. 

Tiere treten im Herbst in Schwärmen auf
In Deutschland würden vor allem im Herbst große Schwärme auftreten. "Sie können sich zu Tausenden sammeln", berichtete Vogel. Mancherorts würden die Käfer, die in ihrer Heimat in Höhlen überwinterten, versuchen, unter dunkle Dachvorsprünge von Häusern zu gelangen. "Das ist dann für die Hausbesitzer schon ein Problem." Zudem könnten bei manchen Menschen allergische Reaktionen auftreten.

Nach den Untersuchungen des Forscherteams aus Thüringen und Hessen enthält die Körperflüssigkeit des asiatischen Marienkäfers Microsporidia. Das sind winzige, pilzähnliche Einzeller, die Körperzellen ihres Wirts als Parasiten befallen können und ihn nachhaltig schädigen, heißt es in dem "Science"-Beitrag. Die asiatische Art verfüge offenbar über eine Resistenz gegen diese Parasiten in ihrem Körper. Gelangten sie aber in unsere einheimischen Marienkäfer, könnten diese daran sterben.

Sporen-Winzling setzt roten Marienkäfern zu
Mit den gefährlichen Sporen-Winzlingen können sich heimische rote Marienkäfer (Coccinella septempunctata) infizieren, weil sie die Eier und Larven ihrer Konkurrenten fressen. Das sei bei den räuberisch lebenden Käfern, so wie auch das gegenseitige Verspeisen, üblich, erläutern die Forscher.

"Ich sehe keine einfache Möglichkeit, die erfolgreichen Eindringlinge wieder loszuwerden", sagte Vogel. Ein Weg könnte sein, die für die heimischen roten Käfer tödlichen Parasiten auszurotten. "Das flächendeckend zu machen, kann ich mir fast nicht vorstellen", sagte der Biologe.

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