Alle Angehörigen sowie das nicht dringend benötigte Botschaftspersonal werde aus den beiden islamischen Ländern evakuiert, teilte das US- Außenministerium am Samstag mit. US- Bürgern wurde davon abgeraten, sich in Tunesien und im Sudan aufzuhalten. In beiden Ländern hatten Demonstranten versucht, in die US- Botschaften einzudringen.
Das Weiße Haus gehe davon aus, dass die gewaltsamen Proteste, bei denen im libyschen Bengasi vier US- Diplomaten getötet wurden, zu einer "anhaltenden Krise mit unvorhersehbaren diplomatischen und politischen Konsequenzen" führen könnten, hieß es in einem Bericht der "New York Times". Die Unruhen seien über Nacht zur größten außenpolitischen Krise der Obama- Administration geworden - mitten in der heißen Phase des Präsidentschaftswahlkampfs.
Obama müsse sich laut politischen Beobachtern etwa die Frage stellen, ob er im Zuge des Arabischen Frühlings alles in seiner Macht Stehende getan hat, um den Übergang zur Demokratie im Nahen Osten zu fördern. Eine weitere Frage sei, ob die USA entschlossen genug gegen islamistische Extremisten vorgegangen sind. Und nicht zuletzt, ob die Regierung Sicherheitsbedenken in islamischen Ländern nicht ernst genug genommen hat.
Die Proteste gegen den in den USA produzierten Mohammed- Schmähfilm sind am Sonntag fortgesetzt worden, wenn auch vorerst ohne weitere Gewalt. In der afghanischen Hauptstadt Kabul gingen Hunderte junge Menschen auf die Straße. "Tod für Amerika!", skandierten die Demonstranten, bei denen es sich nach Polizeiangaben vorwiegend um Studenten handelte. Die Polizei war nach eigenen Angaben mit einem Großaufgebot von Beamten im Einsatz. Die Zahl der Protestierenden wurde mit 1.500 angegeben. Die Behörden sprachen von einer "friedlichen Kundgebung".
Ein Taliban- Sprecher hatte zuvor in Afghanistan erneut dafür appelliert, "die Botschaften Amerikas aus muslimischen Ländern rauszuwerfen". Wer immer auf amerikanische Botschafter oder Diplomaten treffe, solle diese töten.
Am Samstag hatten Sicherheitskräfte in Kairo den Tahrir- Platz nahe der US- Botschaft gestürmt, um eine Menge von mehreren Hundert Demonstranten auseinanderzutreiben. In der ägyptischen Hauptstadt war in der Nacht auf Samstag ein 35- jähriger Mann in der Nähe der stark gesicherten US- Botschaft erschossen worden. Die Protestierer wollten den US- Botschafter aus dem Land werfen, um die USA für den Film zu strafen, in dem der Religionsbegründer Mohammed unter anderem als blutrünstiger Kinderschänder und Tölpel dargestellt wird.
Seit Dienstag wurden bei den Protesten in Ägypten nach offiziellen Angaben 250 Menschen verletzt. Präsident Mohammed Mursi versprach, die Botschaft zu schützen, forderte die USA aber auch auf, gegen die Urheber des Films vorzugehen.
In Tunesien stieg die Zahl der Todesopfer bei den Attacken auf die dortige US- Vertretung auf vier. Die Polizei war am Samstag gegen Hunderte von Demonstranten in Tunis vorgegangen, die Fenster des Gebäudes einschlugen und die Sicherheitskräfte mit Steinen und Brandsätzen bewarf. Ein Reuters- Reporter wurde Zeuge, wie die Polizei das Feuer auf Kundgebungsteilnehmer eröffnete.
Deutschlands Außenminister Guido Westerwelle warnte vor weiteren Angriffen auf die deutsche Botschaft im Sudan. "Außenminister Westerwelle fordert von den sudanesischen Behörden, dass bei den Demonstrationen Gewalt gegen diplomatische Vertretungen verhindert wird", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes. In Khartum hatte am Freitag eine Menschenmenge die vorher geräumte deutsche Botschaft teils demoliert und ein Feuer gelegt.
Die Proteste erfassten am Wochenende auch Australien und Frankreich. In Sydney versammelten sich Hunderte von Demonstranten und lieferten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei. Steine und Flaschen flogen, auf Plakaten wurde gefordert, die Beleidigung des Propheten Mohammed mit Enthauptung zu bestrafen. In Paris hat die Polizei am Samstag etwa 100 Menschen in der Nähe der US- Botschaft festgenommen. Mehrere Dutzend Männer, Frauen und Kinder, die den Salafisten nahestehen, hätten in der Umgebung der Botschaft wild demonstriert und seien mit Polizeikräften zusammengestoßen, hieß es.
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