"Rache für Film"

Al-Kaida hetzt zu weiteren Attacken gegen USA auf

Ausland
15.09.2012 12:50
Die Gewalt wegen dem Mohammed-Schmähfilm droht weiter zu eskalieren. Das Terrornetzwerk Al-Kaida hat am Samstag die Muslime weltweit zu weiteren Angriffen auf die USA aufgerufen. Wer immer auf amerikanische Botschafter oder Diplomaten treffe, sollte dem Beispiel der Libyer folgen, die den US-Botschafter getötet hätten, hieß es in einer Mitteilung der radikalislamischen Organisation. Zuvor hatte US-Präsident Barack Obama bei einer Trauerzeremonie für die in Bengasi getöteten amerikanischen Diplomaten Standhaftigkeit angesichts der Gewalt beschworen.

Die Attacken wütender Gläubiger gegen Botschaften der USA und anderer westlicher Länder in den vergangenen Tagen seien die "natürliche Antwort auf eine enorme Beleidigung" gewesen, teilte Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel am Samstag auf ihrer Internetseite mit. Der in den USA veröffentlichte Schmähfilm gegen den Propheten Mohammed sei Teil eines Kreuzzugs gegen den Islam. Der Vorfall sei so groß, dass alles darauf konzentriert werden sollte, "die Botschaften Amerikas aus muslimischen Ländern rauszuwerfen".

Schwappt Welle der Gewalt auf Westen über?
Der jemenitische Al-Kaida-Zweig, der von den USA als der gefährlichste eingestuft wird, rief zudem Muslime in den westlichen Ländern auf, auch dort Schlüsseleinrichtungen der jeweiligen Staaten anzugreifen. Zuletzt war Australien von der Welle der Gewalt erreicht worden: In Sydney setzte die Polizei am Samstag Tränengas gegen mehrere Hundert demonstrierende Muslime ein (kleines Bild), die vor das US-Konsulat in der Millionen-Metropole ziehen wollten. Es habe auf beiden Seiten Verletzte gegeben, berichtete der Fernsehsender ABC. Einige Teilnehmer trugen schwarze Jihad-Fahnen sowie Transparente mit der Aufschrift: "Enthauptet all jene, die den Propheten beleidigen." Auch Parolen gegen Kopten seien zu hören gewesen.

Obama: "USA werden sich niemals zurückziehen"
US-Präsident Barack Obama forderte indes Gerechtigkeit für die vier in Libyen getöteten amerikanischen US-Diplomaten. Die Täter müssten zur Rechenschaft gezogen werden, sagte er am Freitag bei einer Zeremonie auf dem Militärflughafen Andrews Air Force Base vor den Toren Washingtons. Dort waren am Abend die Särge mit den Toten eingetroffen. Zugleich versicherte Obama, dass sich die USA von der eskalierenden Gewalt in Nahost nicht von ihrem weltweiten Engagement zurückschrecken ließen. "Die Vereinigten Staaten werden sich niemals aus der Welt zurückziehen", sagte er in seiner Ansprache. "Wir werden niemals aufhören, für Freiheit und Würde zu sorgen, die jede Person verdient."

Außenministerin Hillary Clinton sprach bei der Trauerzeremonie von einer Gewalttat, die niemand verstehen könne. "Das ist vollkommen sinnlos, das kann nicht hingenommen werden", sagte sie. Die Regierungen in den Unruheländern im Nahen Osten müssten die Sicherheit wiederherstellen. Die USA würden für den Schutz ihres Botschaftspersonals sorgen.

UNO-Sicherheitsrat verurteilte Angriffe
Auch der UNO-Sicherheitsrat verurteilte die Angriffe auf westliche Botschaften in einer von seinem derzeitigen Vorsitzenden Peter Wittig verlesenen Erklärung. "Wir sind in tiefer Sorge wegen dieser Angriffe. Der Sinn diplomatischer Vertretungen ist friedlicher Natur, weil sie der besseren Verständigung dienen", betonte der deutsche UNO-Botschafter. Es gebe keinerlei Rechtfertigung für die Angriffe, "egal von wem, wann und aus welchen Motiven". Die Regierungen seien zum Schutz diplomatischer Vertretungen verpflichtet, betonte Wittig.

Filmemacher von US-Polizei verhört
Die US-Polizei ermittelt indes gegen den mutmaßlichen Macher des islamfeindlichen Videos, Nakoula Besseley Nakoula. Nach Angaben örtlicher Medien wurde der 55-jährige Vorbestrafte - er saß bereits wegen Bankbetrugs - am frühen Samstag von Polizisten aus seinem Haus im kalifornischen Cerritos abgeholt. Es solle geprüft werden, ob er gegen Gesetze verstoßen habe. Seiner Vernehmung stimmte Nakoula demnach selbst zu. Er hatte schon am Freitag mitgeteilt, die Veröffentlichung des Videos nicht zu bereuen, sich angesichts der Angriffe auf westliche Einrichtungen in der arabischen Welt aber "schuldig" zu fühlen (siehe Infobox).

Film weiterhin auf YouTube zu sehen
Der Internetkonzern Google lehnte es ab, den rund 13-minütigen Film von der Videoplattform YouTube zu nehmen. Google hatte sich entschlossen, das Video nur in Ägypten und Libyen zu blockieren, ansonsten aber online zu lassen, teilte das Unternehmen am Freitagabend mit. Das US-Präsidialamt hatte Google aufgefordert, eine Sperre des Films wegen Verletzung der YouTube-Nutzungsbedingungen zu prüfen.

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