Neben den Stadionbesuchern in der Hauptstadt verfolgten landesweit Zehntausende Menschen am Radio oder vor dem Fernseher, wie die Mannschaft Tufan Harirod aus dem Westen Afghanistans das gegnerische Team Simorgh Albors aus dem Nordwesten mit 2:1 bezwang und sich umgerechnet gut 11.000 Euro Preisgeld sicherte.
Die Ende 2001 gestürzten radikalislamischen Taliban hatten Fußball zunächst verboten. Später erlaubten die selbst ernannten Gotteskrieger dann doch Spiele - allerdings wurden die Halbzeitpausen dazu genutzt, Menschen öffentlich hinzurichten. Auch in den vergangenen Jahren machte der afghanische Fußball weniger durch sportliche Leistungen Schlagzeilen als vielmehr dadurch, dass sich etliche Spieler bei Trainingslagern im Westen absetzten.
Große Fußballbegegnungen kennt das Land aus der jüngeren Vergangenheit also nicht. Entsprechend unbedarft gingen manche Afghanen an die Premier- League- Spiele heran. Wie etwa jener Radioreporter, der versuchte, einen Spieler am Rand des Feldes zu interviewen - während des laufenden Matches. Zu einem der erzürnten Organisatoren, der den Zeitpunkt des Interviews für nicht gerade ideal gewählt hielt, meinte der Journalist lediglich, seine Methoden würden dem Bericht wenigstens Farbe verleihen.
Dies dringend nötig gehabt hätten wiederum Fernsehzuschauer einer Partie, die von den offiziellen TV- Partnern der Liga versehentlich gleich vollkommen unkommentiert übertragen wurde. Die Panne hatte wütende Proteste seitens der TV- Konsumenten zur Folge. "Die Zuschauer hatten keine Ahnung, welche Teams spielten, was auf dem Feld passierte, wer punktete oder wer foulte", sagte Sportjournalist Sayed Resa Hosseini.
Sehr wohl mit Kommentaren versehen hatte hingegen ein Fernsehsender das erste Match in der neuen Liga live gebracht - allerdings ohne jegliche Genehmigung. Dass es sich um einen Konkurrenten der offiziellen TV- Partner handelte, machte die Angelegenheit nicht besser.
Zwar ist Fußball der populärste Sport in Afghanistan, dennoch könnten manche Fans ein wenig Orientierung gut gebrauchen, denn viele sind mit den Regeln noch nicht ganz vertraut. Als bei einem der Spiele der Schiedsrichter zur Halbzeitpause pfiff, verließ eine große Anzahl von Menschen kurzerhand das Stadion. "Sie dachten, das Match wäre vorbei. Sie wussten nicht, dass ein professionelles Fußballspiel über zwei Hälften geht", erzählte ein Fotograf, der Zeuge des Vorfalls wurde.
Als die Fans dann ihren Irrtum doch noch bemerkten und zurück ins Stadion wollten, mussten sie erst minutenlang mit dem Wachmann herumstreiten, um ihn zu überzeugen, dass sie keine neuen Tickets brauchten...