Hit-Tipp der Woche

Tom Waits & die positiven Seiten des Alkohols

Musik
29.11.2006 16:22
Seit gut vier Jahrzehnten tingelt Tom Waits nun schon durch die verrauchten Kellerkneipen dieser Welt. Über 20 Alben sind in dieser Zeit entstanden. Mit seinem CD-Set "Orphans" legt der brummige Eigenbrötler jetzt sein musikalisches Opus Magnum vor.
kmm

Auf insgesamt drei CDs (unterteilt in die Alben "Brawlers", "Bawlers" und "Bastards") bietet der Sänger mit der Whiskeystimme insgesamt 56 Songs ab, viele davon brandneu und so noch nie zuvor gehört, wie seine Interpretationen von so außergewöhnlichen Talenten wie The Ramones, Kurt Weill & Bertolt Brecht oder Leadbelly. 

Den Anfang seiner umfassenden Werkschau macht "Brawlers" (Streithammel), ein Album, auf dem Tom seine wilde Seite nach außen kehrt und mit stampfendem Rock'n'Roll und tobendem Blues verzückt. Pfeifend und schreiend thematisiert Waits das leichte Leben, irgendwo zwischen Suff, Glücksspiel und käuflichen Damen, aber auch Verrücktes wird geboten, beispielsweise "Fish in the jailhouse", eine Geschichte über einen Sträfling, der mit Hilfe einer Fischgräte ausbrechen kann.

Ganz anders hingegen "Bawlers" (Schreier), welches ganz im Zeichen von Einsamkeit, Verzweiflung und melancholischen Tönen steht. Bei Country-Balladen und Schlafliedchen kehren die Besen über die Snaredrum-Felle, dass die Boxen nur so rauschen und knistern. Besonders herzerweichend: "You can never hold back spring", bekannt aus Roberto Benignis "Der Tiger und der Schnee", in dem der Altmeister auch selbst eine kleine Gastrolle übernahm. Hier kommen die positiven Seiten des Alkohols, nämlich Toms wunderbar kratzige Stimme, bei der in jeder Note der Weltschmerz mitschwingt, so richtig zur Geltung.

Auf CD Nummer drei, "Bastards", experimentiert Waits dann wieder mit verschrobener Rhythmik, ungewöhnlichen Klängen und Instrumenten. Neben der Interpretation eines Gedichts von Charles Bukowski gibt es hier auch die für Kinderohren weniger geeignete Gute-Nacht-Geschichte "King Kong". 18 Songs, die Waits außergewöhnlichen Status als Musiker abseits des Mainstreams untermauern, und sein Facettenreichtum dabei unterstreichen.

"Orphans" bietet die gesamte Bandbreite des musikalischen Schaffens eines Tom Waits: Mal bellend und kreischend, dann wieder brummig melancholisch, leise und besinnlich. Darüber hinaus bietet ein 94-seitiges Booklet seltene Aufnahmen und Texte des eigenwilligen Musikers.

Fazit: 9 von 10 Whiskeystimmen

Eine Hörprobe zu "You can never hold back spring" sowie das Video zu "Lie to me" findest du über den Link in der Infobox.

[ser]

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