Nach Putin-Wunsch

Pussy-Riot-Prozess: Anklage will “nur” drei Jahre Haft

Ausland
07.08.2012 14:04
Im umstrittenen Prozess gegen die Punkband Pussy Riot hat die Staatsanwaltschaft am Dienstag jeweils drei Jahre Haft für die drei Angeklagten gefordert. Die Frauen hätten die Gefühle von Gläubigen absichtlich und grob verletzt, sagte der Staatsanwalt. Mit dem beantragten Strafmaß wegen Rowdytums aus religiösem Hass folgte die Anklage dem Wunsch nach einem "milden Urteil" von Präsident Wladimir Putin und blieb unter der Höchststrafe von sieben Jahren Lagerhaft.

Ihr Vergehen, ein gegen den damaligen Ministerpräsidenten Putin gerichtetes Lied in einer Kirche zu singen, sei so "schwer", dass sie "von der Gesellschaft isoliert" werden müssten und es einen "echten Entzug von Freiheit" geben müsse, fügte Staatsanwalt Alexej Nikiforow in seinem Schlussplädoyer bei der live im Internet übertragenen Sitzung in Moskau hinzu.

"Geplante Provokation" und "Untat"
Er warf den Angeklagten vor, "eine sorgfältig geplante Provokation" begangen und "auf Konfrontation zur orthodoxen Welt" gegangen zu sein. "Mit ihren Untaten haben sie den Gläubigen Schmerzen bereitet", so der Staatsanwalt laut Nachrichtenagentur RIA Novosti. Nach seiner Ansicht sei eine Besserung der Angeklagten ohne Freiheitsstrafe nicht möglich.

Menschenrechtler und unabhängige Juristen sowie die russische Opposition sprechen von einem beispiellosen Justizskandal in der jüngeren Geschichte des Landes. Die Menschenrechtsaktivistin Ljudmilla Alexejewa nannte das Plädoyer des Staatsanwalts eine "Schande". Wenn die drei Musikerinnen nicht freikämen, wäre das eine "Schande für Russland und die gesamte orthodoxe Kirche".

Auch Madonna setzt sich für Musikerinnen ein
Die drei Frauen sind von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International als politische Gefangene anerkannt. Künstler wie Sting, die Band Franz Ferdinand, Jarvis Cocker und Kate Nash hatten zuletzt "Freiheit für Pussy Riot" gefordert (siehe Infobox). Unterstützung für die Punkband hat auch Madonna vor ihrem Auftritt in Moskau bekundet. Der Popstar sagte am Dienstag bei ihrer Ankunft auf dem Moskauer Flughafen, sie hoffe, dass die drei Frauen nicht länger im Gefängnis bleiben müssten. Sie sei schon immer gegen Zensur und für Rede- und Meinungsfreiheit gewesen.

Religiöse Vertreter kündigten daraufhin lautstarke Proteste gegen ihre Konzerte an. Ein Sprecher der Union Orthodoxer Bannerträger - eine für ihre politischen Kampagnen bekannte Unterstützergruppe der Kirche - warf Madonna vor, sich in Russlands innere Angelegenheiten einzumischen und Druck auf die Justiz auszuüben. "Es steht nicht in unserer Macht, ihre Konzerte zu untersagen, aber die Behörden, die sich orthodox positionieren, sind aufgefordert, es zu tun."

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Ausland
07.08.2012 14:04
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung