Da wurde nicht lange gefackelt: Nach dem obligaten Ennio- Morricone- Intro ging das Quartett zurück zu den Wurzeln, mit "Hit The Lights" machte ein wunderbar primitiver Song aus jener Zeit den Anfang, als Metallica unter Thrash- bzw. Speed- Metal geführt wurden. Frontman James Hetfield, wie immer eine Adrenalin ausstoßende "Rampensau" und in körperlicher Bestform, und seine Kollegen legten mit "Master Of Puppets" und "For Whom The Bell Tolls" noch zwei weitere Höhepunkte aus der glorreichen Vergangenheit nach, als Metallicas Platten noch revolutionär klangen und Relevanz hatten.
Es war fast so, als wäre die Zeit nach Veröffentlichung der schwarzen, eigentlich unbetitelten Platte stehen geblieben. Denn abgesehen von "Hell And Back" gab es keine Beiträge aus der jüngeren Vergangenheit. Vielmehr huldigte man jene Periode, als Metallica zig Millionen Tonträger verkauften. Die Reise zurück machte allerdings höllischen Spaß und lässt für die Zukunft hoffen. Das Areal vor der Blue Stage war zurecht prall voll und blieb es auch.
"The Struggle Within", der letzte Song auf dem "Black Album", stand zu Beginn der 20- Jahre- Jubiläums- Aufführung. Der Sinn: Die Mega- Hits "Enter Sandman" und "Sad But True", auf LP die ersten Nummern, weckten so am Schluss noch einmal die müdestens Besucher auf. Hetfield versprach und hielt: "Metallica gives you heavy, baby!" Dazwischen sorgte die Ballade "Nothing Else Matters" für Gänsehautstimmung unter den härtesten Kerlen.
Die Show war auch optisch ein Leckerbissen: viel mehr Licht als bei allen anderen Acts, eine spezielle Bühnenkonstruktion samt Snakepit (wo eine ausgewählte Schar ganz nah bei ihren Helden stehen konnte), Raketen, Entertainment pur. Dann die Zugaben: Ihr "One" ließen Metallica mit einem pyrotechnischen Großaufwand begleiten. Da hatte Bassist Robert Trujillo noch einmal Gelegenheit, seine mächtigen Bassläufe über das Areal zu wuchten. Kirk Hammett zerschnitt mit scharfen Gitarrensolos die Luft, um dann mit Hetfield ins markante Riff von "Seek & Destory" (vom Debüt) überzugehen.
Wenn böse, dann aber so richtig: Die US- Thrashmetalband Slayer führte am Sonntag mit lärmenden Geschichten über Satan, Serienmörder und chemische Kriegsführung in den Endspurt des diesjährigen Nova Rock Festivals. Der Auftritt der Formation um den Gitarristen Kerry King, der "God hates us all" auf seinen Arm tätowieren ließ, war eine Ganzkörpererfahrung: wuchtig, laut, dynamisch, technisch brillant, extrem und Wut abbauend. Das lockte bei den zunehmend abreisenden Besuchern lautstarke Zustimmungskundgebungen hervor - nicht typisch für die achte Ausgabe der Veranstaltung.
Slayer haben sich im Gegensatz zu Metallica, die den Schlusspunkt setzten, nie zum großen Markt geschielt. Dementsprechend kompromisslos klingen ihre Lieder. Wer die Darbietung auf den Pannonia Fields in den vorderen Reigen genossen hatte, fühlte sich danach wie ein Sparringpartner eines Thaiboxers. "World Painted Blood" musste noch etwas gegen den Sound kämpfen, aber dann fegten messerscharfe "Die By The Sword", "Chemical Warfare" oder "Postmortem" alle Befürchtungen weg, dass Slayer nur in einer Halle "funktionieren". Und mit den gefinkelten Kompositionen "Seasons In The Abyss" und "Dead Skin Mask" bewiesen Frontman Tom Araya und seine Kollegen, dass sie nicht nur schnell und hart spielen können - es geht auch langsam und sehr hart.
Am Nova Rock herrschen eigene Gesetze, was mittlerweile bekannt ist. Dennoch durfte man sich wundern, dass Pärchen gerade beim Slayer- Song mit dem vielsagenden Titel "Hate Worldwide" zu schmusen begannen. Ebenso erstaunlich, wie viele Fans die folgenden Nightwish mit ihrer Mischung aus Metal und Oper miterleben wollten. Besser hatten sich da am Nachmittag Mastodon mit ihren schweren Gitarrenriffs und zahlreichen Rhythmusverlagerungen geschlagen. Gescheitert waren dagegen die in Matrosenanzügen gekleideten Oomph! beim Versuch, lustig zu sein.