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29.08.2014 - 10:02

Joss Stone, Moby und Co am Nuke- Festival

20.07.2009, 15:03
Joss Stone, Moby und Co am Nuke-Festival (Bild: Christoph Andert, Andreas Graf)
Foto: Christoph Andert, Andreas Graf
Vom AKW über St. Pölten ins Burgenland: Das Nuke- Festival hat am Wochenende seine Premiere außerhalb Niederösterreichs gefeiert. In Wiesen gastierte an zwei Festivaltagen eine breite Palette an Künstlern, die den Ruf des "Sunshine- Festivals" als musikalisch äußerst facettenreiche Veranstaltung einmal mehr bestätigten. Moby, Joss Stone, Jan Delay, 2Raumwohnung und starke Nachmittagsprogramme mit Calexico, The Cat Empire oder A Fine Frenzy. Die Genres gaben sich in Wiesen ebenso die Klinke in die Hand wie das Wetter - nach Sahara- Hitze am Freitag folgte ein herbstlich kühler Samstag.

Mit dem Location- Wechsel ins Burgenland hat sich die Besucherzahl aber erstmals nach zehn Jahren wieder verringert. Und zwar nicht nur aufgrund des viel kleineren Geländes. Nur zwischen geschätzten 5.000 und 6.000 Besucher fanden sich am Freitag im burgenländischen Erdbeerdorf ein. Am Samstag waren es aufgrund des Wetterumschwunges subjektiv noch weniger, wenngleich die Organisatoren 15.000 Besucher an beiden Tagen angeben. Hierbei werden - wie immer bei Festivals, Messen und dergleichen - die Besucher mit Zweitagespässen doppelt gezählt. Das erste Nuke- Festival 1999 in Zwentendorf (von dort auch der Name) zog übrigens 3.000 Besucher an - als Headliner traten damals Schönheitsfehler und Heinz aus Wien auf.

Heuer wurde an den zwei Tagen für das doch eher intime Ambiente aber weiterhin ein Line- up mit großen Namen geboten. Der Freitag begann mit A Fine Frenzy, Calexico, Basement Jaxx und Moby. Am Samstag gastieren neben Soul- Wunderfrau Joss Stone noch 2Raumwohnung und James Morrison, dazu noch musikalische Geheimtipps wie der Akustik- Funk- Gitarrist Keziah Jones und die australische Latin- Combo The Cat Empire. Etwas befremdlich stimmte nur das Fehlen österreichischer Bands im Line- up, mit Ausnahme der beiden Wiener DJs Scott und Levi, die täglich von 12 bis 13 Uhr die Plattenteiler kreisen ließen.

Freitag: Sahara- Hitze in Wiesen

Der erste Festivaltag war geprägt von der burgenländischen Tropenhitze. Bei über 30 Grad im Schatten blieben dadurch viele der bereits am Vortag angereisten Besucher während der ersten Acts auf den Campingplätzen. Die befinden sich in Wiesen nämlich mehrheitlich im schattigen Wald. Aber auch vor einem kleinen Grüppchen treuer Fans brillierten als erster Akt mit echten Musikinstrumenten die Berliner Ohrbooten. Die rappende und singende Reggae- Funk- Gypsy- Combo aus Deutschland, die ihren Stil selbst als "Gyp- Hop" bezeichnet, stellte ihr neues, gleichnamiges Album vor. Auch die verrückte Mischung aus Ska, Mambo, Swing, Jazz und Reggae, die nach den Ohrbooten der sizilianische Trompeter Roy Paci mit seiner Band bot, hätte sich weit mehr Zuhörer verdient, als sich um 14.30 Uhr herum unter der Wiesener Segeltuch- Arena versammelt hatten. Der Gig des ehemaligen Manu- Chao- Trompeters sprach aber einmal mehr für das Nuke- Festival als musikalisch äußerst facettenreiche Veranstaltung, auf der man als Zuhörer jedes Jahr die eine oder andere neue Lieblingsband entdecken kann.

Erst der dritte Act zog dann langsam die Massen an: Alison Sudol alias A Fine Frenzy hat im letzten Jahr mit ihrer Hymne der beinahe glücklich Verliebten, "Almost Lover", unglaublich viele Fans in Österreich gewonnen. Die liebenswerte Amerikanerin aus Seattle hat seither einen Rockstar- Grundkurs absolviert und gab am Nuke- Festival ordentlich Gas. Im krassen Gegensatz zu den Lamourhatschern des Debütalbums "One Cell In The Sea" gab es eine Coverversion von "Seven Nation Army" (außerhalb Europas wurde der Song ja noch nicht von grölenden Fußballfans vereinnahmt) und ein paar Kostproben - darunter auch die erste Single "Blow Away" - vom kommenden Longplayer "Bomb In A Birdcage", wo die 24- jährige Multi- Instrumentalistin ebenfalls die Tempi hochschraubt.

Calexico sind schon seit Jahren bekennende Österreich- Fans und hatten für den Nuke- Gig diesmal den spanischen Gitarristen Jairo Zavala an Baritongitarre und Bouzouki mitgebracht, der das wie immer perfekte Set dementsprechend verstärkte. Mit im Gepäck hätte eigentlich auch die neue Live- CD der Band um Joey Burns und John Convertino sein sollen, die es als Tour- only- Album für gewöhnlich nur direkt über die Bandwebsite oder Merch- Stände zu erwerben gibt. In Wiesen konnte man sich die fabelhafte Weltmusik- Combo mit Mariachi- Einschlag aber leider nicht als Live- Aufnahme mit nach Hause nehmen. Nach dem erfolgreichen Longplayer "Carried To Dust" im letzten Jahr wird es heuer aber trotzdem eine Studioveröffentlichung geben. Und zwar haben Burns und Convertino mit Amparo Sanchez (Amparanoia, Vocals auf Calexicos "Roka") ein Album aufgenommen, das Ende des Jahres erscheinen soll. Zu hören waren in Wiesen u.a. Songs wie "Guero canelo", "Not Even Stevie Nicks...", "Roka", "Minas de cobre", "Victor Jara's Hand" und "Chrystal Frontier". Als Zugabe gab es den Country- Titel "Corona", der mit Mikis Theodorakis legendärem Sirtaki "Zorba the Greek" eingeleitet wurde.

In einen Freiluft- Dancefloor hat anschließend das englische House- Duo Basement Jaxx das Festivalgelände verwandelt. Felix Buxton und Simon Ratcliffe, die 2005 einen Grammy für das bestes Dancealbum kassierten, hatten sich für ihren Live- Auftritt mit einem Percussionisten, einem Schlagzeuger und insgesamt sechs, sich abwechselnden Sängerinnen und Sängern verstärkt. Eröffnet wurde das Set mit dem Titel "Good Luck". Buxton und Ratcliffe stellten u.a. auch Songs von ihrem neuen Album "Scars" vor, das im September erscheinen soll, - darunter der Titel "She's No Good" und die akutelle Single "Raindrops".

Ab 21.15 Uhr gehörte die Bühne dann Jan Delay. Begleitet von seiner siebenköpfigen, gut aufgestellten Band Disco No.1 und verstärkt durch zwei Backround- Sängerinnen eröffnete er sein Set mit dem Hit "Türlich Türlich (Word Up)" und - passend zum Wetter - "Die Sonne die scheint". Der Meister des Nasengesangs hatte das Publikum von Anfang an auf seiner Seite. Als ein Flip- Flop auf die Bühne geflogen kam, meinte Delay: "Wir sind von der alten Schule, wir wollen BHs." Ein Wunsch, der dem 33- jährigen Hamburger, der mit bürgerlichem Namen eigentlich Jan Phillip Eißfeldt heißt, umgehend erfüllt wurde. Im Laufe des Konzert sollten drei weiter Büstenhalter und ein Damenslip folgen. Funk und Reggae dominierten den Auftritt Delays, der eine perfekte Show lieferte und u.a. Songs wie die neue Single "Oh Johnny" vom kommenden Album "Wir Kinder vom Bahnhof Soul", "Ahn' Ich Gar Nich'", "Pump It Up" und die Jan- Hammer- Coverversion "U Can't Touch This" zum Besten gab. Als Zugabe sang der Deutsche, der sich - wie dereinst Michael Jackson - recht häufig ins Gemächt griff, dann noch den Nena- Hit "Irgendwie, irgendwo, irgendwann". Egal ob man Delay vorher mochte oder nicht - seine Band und sein Auftritt in Wiesen waren Klasse.

Keinen leichten Stand hatte nach Delays furiosem Auftritt anschließend Richard Melville Hall, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Moby. Der New Yorker, der erst kürzlich sein neues Album "Wait For Me" veröffentlichte, hat sich für seinen Auftritt in Wiesen mit einer fünfköpfigen, fast ausschließlich aus Frauen bestehenden Band (nur am Schlagzeug saß ein Mann), verstärkt. Irgendwie wollte der Funke beim Auftritt des 43- jährigen Amerikaners nicht so wirklich auf das Publikum überspringen. Moby stellte altes ("In My Heart", "Raining Again", "Bodyrock", ) und neues Material ("Pale Horses", "Walk With Me", "Wait For Me", "Mistake") vor. Auch der Hit "Why Does My Heart Feel So Bad?" durfte natürlich nicht fehlen. Sogar eine Heimweh- Coverversion des Lou- Reed- Klassikers "Walk On The Wild Side" streute Moby ins Programm ein, konnte aber nicht wirklich überzeugen. Um 00.30 Uhr endete bei noch immer 27 Grad ein sommerlicher Tage eins beim Nuke in Wiesen.

Samstag: "Sunshine"- Stimmung trotz Herbstwetter

Unter erschwerten Überlebensbedingungen begann für die Nuke- Besucher der Samstag. In der Nacht war es ziemlich abgekühlt, am Vormittag setzte dann der Regen ein und hörte bis zum Nachmittag nicht mehr auf. Bei Temperaturen unter zwanzig Grad waren nun Pullover und Regenjacke angesagt. Hardrock und Heavy Metal à la Novarock hätten unter diesen Umständen wohl für einen Stimmungsabfall bei den Fans gesorgt. Die sonnigen Gemüter im Nuke- Line- up schafften es jedoch, dass bereits am frühen Nachmittag fröhlich weitergefeiert wurde.

Den Auftakt machten am Samstag nach dem DJ- Set die Australier Blue King Brown. Frontfrau Natalie Pa'apa'a begeisterte mit souliger Stimme, dem Roots- Einschlag der achtköpfigen Truppe entsprechend gab es Percussion- lastigen Sound, der die Füße der Besucher gleich zum Auftakt in Bewegung brachte. Den Rhythmus im Blut hat auch Keziah Jones. Der begnadete Funk- Akustik- Gitarrist aus Nigeria mit Wohnsitz in Paris begeisterte mit seiner außergewöhnlichen Spieltechnik und bot den ersten musikalischen Höhepunkt des zweiten Tages. Als echter Partymacher erwies sich dann überraschend Patrice. Der deutsch- afrikanische Reggae- Musiker machte unter anderem mit den Songs seines aktuellen Albums "Free- Patri- Ation" Stimmung und verrockte dazu noch seine alten Hits von "Soulstorm" bis "Up In My Room". Der energiegeladene Auftritt endete mit einer Trommelparade durchs Publikum, bei der ein kurzer Abstecher zu Jackos "The Don't Care About Us" besonderen Applaus erntete.

Mit The Cat Empire stand um kurz vor 18 Uhr die zweite australische Band des Tages an. Der feine Unterschied Austria/Australia verschwimmt bei der Latin- Combo mit Funk- und Jazz- Einschlag. Leadsänger Felix Riebl outete sich gleich zu Beginn als Halb- Österreicher (sein Vater stammt aus der Alpenrepublik, Riebl wurde sogar hier geboren, wanderte aber noch als Kind nach Australien aus) und hatte damit das Interesse der Besucher vollends auf sich gezogen. Die sechsköpfige Truppe aus Melbourne, die live noch durch einen zweiten Trompeter und einen Posaunisten verstärkt wird, lieferte über anderthalb Stunden anspruchsvolle Gute- Laune- Musik mit mörderischen Bläsersoli. Am Ende versprach Riebl eine Solo- Show für Ende 2009 sowie ein neues Studioalbum. Aktuell ist die sehr zu empfehlende Live- CD "Live On Earth" erhältlich.

Österreich- Premiere feierte danach der britische Songwriter James Morrison. Der 24- Jährige ist seit fast drei Jahren mit Hitsingles wie "You Give Me Something", "Broken Strings" und aktuell "Please Don't Stop The Rain" Stammgast in den Radio- Playlists. Am Nuke- Festival zeigte er, dass auch ein kraftvoller Rhythm- &-Blues- Sänger in ihm steckt. Die zweite Hälfte des Sets war geprägt von kraftvollen R&B- Songs, bei denen Morrison stimmlich in Sphären von Joe Cocker oder Ray Charles gelangte. Die für sein Alter ungewohnt rauchige Stimme begeisterte dann auch das Nuke- Publikum, das zunächst recht verhalten auf den Auftritt des Briten reagiert hatte. Als Fan outete sich auch Headliner Joss Stone, die den Auftritt Morrisons begeistert von der VIP- Tribüne aus mitfilmte.

Der traditionelle Streifzug durch die Genres am Nuke- Festival setzte sich mit dem Auftritt des deutschen Pop- Duos 2Raumwohnung fort. Inga Humpe und Tommi Eckhart haben auf ihrem kommenden Album "Lasso" das Schlagzeug für sich entdeckt und die aktuelle Live- Show bereits darauf adaptiert. Überraschend kam zunächst für viele Nuke- Besucher, dass die fünfköpfige Begleitband der beiden Wahl- Berliner sehr Beat- orientiert vorgeht. Nach Cat Empire und James Morrison bedurfte es da einer gewissen Umstellungsphase. Mit der aktuellen Single "Wir werden sehen" taute das Publikum dann nach den ersten fünf Songs auf und jubelte Frontfrau Inga Humpe begeistert zu. Mit 54 sieht die NDW- Ikone, die mit DÖF und "Codo (Ich düse im Sauseschritt...)" einen Meilenstein dieser Ära vollbracht hat, nicht nur immer noch blendend aus; sie tigert geschmeidig wie ein junges Kätzchen über die Bühne und zieht alle Blicke auf sich. Neben Material vom neuen Album gab es sämtliche Hits wie "Nimm mich mit", "Ich und Elaine", "Sasha", "Besser geht's nicht" und den 2008er- Hit "36 Grad". Das neue Album Lasso erscheint am 31. Juli 2009.

"Back to soul", hieß es nach dem Elektro- Pop- Ausflug beim Nuke- Finale mit Joss Stone. Um die 22- jährige Britin, die mit drei Alben schon zehn Millionen Tonträger verkauft hat, war es in den letzten Jahren seit der 2007er Platte "Introducing... Joss Stone" ruhig geworden. Der Grund dafür ist ein bis dato andauernder Streit mit ihrer Plattenfirma EMI. Stone wollte ihren Drei- Alben- Vertrag kündigen, nachdem der Unternehmer Guy Hands das Traditionslabel übernommen hatte. EMI klagte und hielt das für Anfang 2009 geplante Album "Colour Me Free" vorerst unter Verschluss. Ein kolportierter Release- Termin Ende Juli gilt als immer unwahrscheinlicher. Für die Besucher am Nuke- Festival stellte das beim Konzert der stimmgewaltigen Britin dadurch bereits im Vorhinein eine Herausforderung dar. Beide Websites der Sängerin sind geschlossen, auf der MySpace- Page finden sich News von 2008. In Medienberichten ist meist nur von den anstehenden Film- und Serienauftritten ("The Tudors") der nebenbei schauspielernden Sängerin die Rede. Und trotzdem ward am Ende alles gut: Mit einer fabelhaften Band im Hintergrund sang sich die Joss Stone barfuß auf drei ausgerollten Teppichen durch einige alte Hits, aber vorwiegend Material vom neuen Album, das funkiger und weniger nach Piano- Bar- Musik klingt. Mit Bob Marleys "No Woman No Cry" und tosendem Applaus für die Soul- Wonderwoman endete das diesjährige Nuke- Festival.

von Christoph Andert und Wilhelm Eder
Fotos: Andreas Graf

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